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Konik-Pferde auf der Geltinger Birk
Konik-Pferde auf der Birk
Erfahrungen mit dem Einsatz als Landschaftspfleger | Schwierigkeiten mit Hufrehe und Hyperlipidämie überwunden | Bestand ansteigend
Konik-Pferde trotzen der Witterung
Seit 2002 werden von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein Konik-Pferde aus den Niederlanden im Naturschutzgebiet Geltinger Birk und auf den angrenzenden "Stiftungsflächen" zur Landschaftspflege eingesetzt.
Die folgende Chronik gibt Aufschluss über den Einsatz und die Erfahrungen in den ersten Jahren mit den Koniks auf der Geltinger Birk.
Auch im NABU Naturschutzgebiet "Wördener Loch" im Meldorfer Speicherkoog kommen seit 2004 Konik-Pferde zum Einsatz. Aus dem vom NABU betreuten Katinger Watt an der Eidermündung liegen ebenfalls erste Erfahrungen mit dem Einsatz von Pferden in der Landschaftspflege vor.
Chronologie des Konik-Einsatzes
Koniks 2002
Am 19.März 2002 treffen 11 Pferde aus den Niederlanden auf der Geltinger Birk ein (ein Hengst, zehn Stuten).
Geboren auf der Birk
- 25. April 2002, Stutenfohlen getauft auf den Namen "Henriette"
- 22. Juni 2002 Hengstfohlen "Kamischke", Mutter im Dezember gestorben
- 4. September 2002 Stutenfohlen "Die Hübsche" (Stehmähne)
In der Steinzeit machten die Urmenschen Jagd auf Wildpferde. Foto: Homo neanderthaliensis "Carsten Heuer"
11. Dezember 2002 ein totes Pferd gefunden. Das Tier wurde geborgen und zur Abdeckerei nach Jagel gebracht, wo es durch die Kreisveterinärin untersucht worden ist. Das Pferd starb an einer Kolik bedingt durch die Nahrungsumstellung. Derartige Koliken kommen bei Pferden leider häufig vor und können in der freien Natur tödlich enden.
Koniks 2003
12. März 2003 ein totes Pferd gefunden, das an Hyperlipidämie starb. Ende März eine jüngere Stute (die "Kleine") eingeschläfert, weil sie ebenfall an Hyperlipidämie litt. Die Tiere wurden von der Maybirk nach Beveroe gebracht.
Geboren auf der Birk
- 19. April 2003 1. Fohlen von der Stute mit dem Geschwür am Kiefer
- 26. April 2003 2. Fohlen, von der alten Stute mit dem Ramskopf
- 29. April 2003 3. Fohlen von der weißen Stute
Koniks 2004
Keine besonderen Vorkommnisse.
Geboren auf der Birk
- 26. März 2004 1. Fohlen von der Stute mit dem Geschwür am Kiefer
- 26. März 2004 2. Fohlen von der weißen Stute
- 1. April 2004 3. Fohlen tot aus der alten Stute mit dem Ramskopf geholt
- 27. April 2004 4. Fohlen von der grauen Stute
Neu im Rahmen der kontrollierten Vernässung geschaffene Wasserflächen dienen den Pferden auch als Tränke
Erläuterungen
Hyperlipidämie ist eine ernährungsbedingte Krankheit, die entsteht, wenn die Pferde im Sommer zu fett werden und dann im Winter den Fettvorrat zu schnell abbauen. Das Fett geht dann in Blut und Leber und die Pferde können an Leberversagen sterben. Diese Krankheit ist bisher europaweit bei vergleichbaren Konikprojekten noch nie aufgetreten und wir sind in einen intensiven Austausch mit anderen Projekten, um die möglichen Ursachen zu ergründen.
Im Frühjahr 2004 trat erstmalig Hufrehe bei einigen Pferden auf. Als Folge davon haben die Betreuer im Frühsommer 2004 vier Stuten an private Halter gegeben, weil Hufrehe nur durch eine strenge Diät vermeidbar ist. Dies ist mit den Tieren auf der Birk nicht zu machen, da sie frei gehalten werden.
Hufrehe tritt besonders im Frühjahr und Spätsommer auf, wenn die Gräser besonders zuckerreich sind. Früher nahm man an, dass Hufrehe durch besonders fette und eiweißreiche Weiden ausgelöst wird. Neuere Erkenntnisse zeigen aber, dass für Hufrehe Kohlenhydrate (Zucker z. B. Fruktane) im Gras verantwortlich sind. Diese Zucker treten besonders bei späten Nachtfrösten und bei Trockenheit auf, wenn das Gras im Stress ist. Die Pferde fressen besonders das süße Gras und über eine Kette von Prozessen im Verdauungstrakt kommt es zu einer starken Immunreaktion. Bestimmte Gewebe schwellen an. Besonders betroffen: Die Huflederhaut, wodurch die typischen Symptome der Hufrehe verursacht werden. Wenn ein Pferd einmal Hufrehe gehabt hat, kann sie jedes Jahr wieder auftreten. Deshalb wurden vier Stuten angegeben, denen es bei den privaten Haltern wieder deutlich besser geht.
Als Reaktion wurde die ohnehin geplante Aussetzung weiterer Koniks, die eine andere Abstammungslinie haben, vorgezogen. Sie war ohnehin geplant, um Inzucht vorzubeugen. Als Folge sind seit 2006 sind keine weiteren Fälle von Hufrehe mehr aufgetreten.
Highland-Cattle werden ebenfalls auf der Birk zur Landschaftspflege eingesetzt.
Entwicklung seit 2005
Seit 2005 ist der Bestand kräftig angestiegen. Im Herbst 2009 wurden erstmals 15 Tiere nach Thüringen und Norderstedt abgegeben, um dem Bestandsanstieg entgegen zu wirken. Derzeit (Anfang 2010) laufen noch rd. 50 Koniks auf der Birk, die sich in drei Herden die Gesamtfläche nördlich des Hauptentwässerungsgrabens teilen. Neben der Herde 'Karl' und der Herde 'Olko' gibt es die 'Bagalutengruppe' bestehend überwiegend aus Junghengsten, bei denen aber immer 1-2 Stuten mitlaufen. Im Frühjahr 2010 sind bereits drei Fohlen geboren worden. Bis zum Jahresende dürfte die Zahl der Fohlen auf 15 ansteigen. Alle Pferde haben den harten Winter 2009 / 2010 gut überstanden.
Aufsicht und Versorgung der Tiere
Im Jahr 2010 liefen rd. 50 Tiere auf einer großen Teilfläche der Birk. Hier befinden sich auch etwa 80 Hochlandrinder.
Zur Weide gehören fast 12 ha Wald, die ganzjährig mit beweidet werden. Die Tiere werden täglich bei Fahrten auf die Birk kontrolliert. Dabei werden nur die Anzahl der Tiere und besondere Auffälligkeiten kontrolliert. Wöchentlich erfolgen eine Nahkontrolle der Tiere und die Zaunkontrolle durch Mitarbeiter der Integrierten Station oder durch Mitglieder des Vereins "Wildpferde Geltinger Birk".
Die Wasserversorgung gewährleisten 25 Teiche und Gräben, die in dem derzeit beweideten Gebiet liegen.
Notfutter lagert in den Scheunen ein. Mehrere hundert kleine Klappen spätes Heu von der Orchideenwiese und Heu steht zur Verfügung. Heu wird nur gegeben, wenn über mehrere Tage ein geschlossene Schneedecke liegt.
Mehrfach im Jahr werden die Pferde eingefangen, um bei Tieren, die zu starkem Hufwachstum neigen, durch einen Hufschmied Hufpflege durchführen zu lassen. Dabei werden die Fohlen auch entwurmt.
Kontakt
Bei Fragen zum Einsatz der Koniks auf der Birk wenden Sie sich bitte an Nils Kobarg, Integrierte Station Geltinger Birk.
Weitere Informationen ...
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