Schleswig-Holstein.NABU.de Natur vor Ort Kormoran Biologie des Kormorans

Nahrung des Kormorans

Nahrung des Kormorans

Bestandsrückgang beim Aal und Niedergang der Binnenfischerei

Kormoranküken

Junge Kormorane werden mit Kleinfisch versorgt.

Opportunist
Kormorane ernähren sich überwiegend von Fisch. Sie sind in der Lage - abhängig von der an den meisten Seen in Schleswig-Holstein allerdings geringen Sichttiefe - bis zu 25 Meter tief zu tauchen und Fische mit dem Schnabel zu fangen. Der tägliche Nahrungsbedarf eines Kormorans liegt bei 330 - 350 g.

Kormorane sind Nahrungsopportunisten. Angepasst an das Nahrungsangebot nutzen sie zwei unterschiedliche Jagdstrategien: Großen Fischen stellen sie einzeln nach, auf kleine Schwarmfische jagen sie gemeinsam. Einzeln jagende Kormorane können damit über den Fang von Aalen die Binnenfischerei partiell beeinträchtigen.

Nahrung Kormorantorte klein

Nahrung des Kormorans nach Speiballenuntersuchungen. Zum Vergrößern bitte auf Grafik klicken!

Nahrungsanalysen: Kormoran erbeutet großteils wirtschaftlich unbedeutende Fischarten
Nach den regelmäßig seit vielen Jahren im Auftrag des Umweltministeriums erstellten Nahrungsanalysen besteht etwa die Hälfte der Beute des Kormorans aus marinen Fischen und Krebsen. Zudem besteht der weitaus überwiegende Teil der gefressenen Süßwasserfische aus Jungfischen der "Massenarten" (Flussbarsch, Plötze) bzw. aus fischereilich uninteressanten Kleinfischarten (Stint, Kaulbarsch). Fische, deren Erbeutung durch Kormorane eine tatsächliche Konkurrenz zur Fischerei bedeutet, stellen nachgewiesenermaßen nur einen geringen Teil der Nahrungsmenge dar.

Exkurs: Wie Beutefische nachgewiesen werden
Im Auftrag des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums werden regelmäßig Nahrungsanalysen vorgenommen. Dafür untersuchen Wissenschaftler die Speiballen der Kormorane, mit denen unverdauliche Nahrungsreste, ähnlich wie wir es von Eulen kennen, ausgewürgt werden. Vor allem anhand der in den Speiballen enthaltenen Ohrknöchelchen lassen sich Art und Größe der erbeuteten Fische bestimmen. Weiterhin wird der Mageninhalt geschossener Kormorane analysiert. Diese Untersuchungen ergeben ein weitaus zuverlässigeres Bild als gelegentliche Beobachtungen von Kormoranen mit großen Barschen oder Aalen im Schnabel: Während kleine Fische als Hauptnahrung unter Wasser verschlungen wird, tauchen Kormorane nur mit besonders großen und widerspenstigen Beutefischen wie Aalen auf. Das verleitet vorschnell zu falschen Schlüssen hinsichtlich des Beutespektrums.

Toter Karpfen

Geangelter Karpfen (Foto: Ludwichowski)


Rückgang des Aals
Den Kormoran als Sündenbock dafür verantwortlich zu machen, dass der Aalbestand seit langem sinkt, geht völlig an der Realität vorbei. Verschwiegen werden u.a. die eklatante Verknappung und horrende Verteuerung des für den Besatz zur Verfügung stehenden Glasaals. Ursache ist der intensive Glasaalfang hauptsächlich für ostasiatische Aalmästereien vor der Küste Europas, der die Glasaalpreise aktuell auf bis zu 1.200 € pro kg (entspr. 2 - 3.000 Tiere) hochschnellen ließ.

Daneben ist kritisch zu hinterfragen, ob der in den vergangenen Jahrzehnten sehr intensiv vorgenommene Aalbesatz überhaupt der quantitativen Zusammensetzung der natürlichen Fischfauna entspricht oder ob er nicht sogar zum Rückgang von Kleinfischarten geführt hat.

Unterwasser Salz

Rund die Hälfte der Nahrung des Kormorans stammt aus Küstengewässern

Probleme der Binnenfischerei
Der wirtschaftliche Niedergang der Binnenfischerei beruht nicht auf dem angeblich drastischen Rückgang der potentiell vermarktungsfähigen Ware (mit Ausnahme des Aals), sondern auf geändertem Verbraucherverhalten und internationaler Konkurrenz. Manche Fischer haben sich dem steigenden Wettbewerb gestellt: Sie verkaufen heute vielfach nicht mehr überwiegend selbst gefangen Fisch, sondern bieten dem Verbraucher ein deutlich erweitertes, an der geänderten Nachfrage orientiertes Spektrum von Fischarten an. Wirtschaftlich eng wird es für diejenigen, die den Wandel nicht mitmachen. Vor allem für sie wird der Kormoran zum Sündenbock.

Dem Verbraucher wird heute ein umfangreiches Sortiment an großteils in tropischen Gewässern gefangenen Fischen geboten. Die neben dem Aal ökonomisch wertvollsten heimischen Binnenfischarten (Hecht, Große Maräne, Forelle, Zander, Karpfen) werden v.a. in Osteuropa, aber auch in Dänemark deutlich preiswerter als in Schleswig-Holstein produziert. Dem gegenüber gibt es erhebliche Absatzprobleme bei als Speisefisch unattraktiven Arten wie Rotauge (Plötze) und Brasse, die als von der Gewässereutrophierung stark begünstigte Arten in vielen Seen weiterhin massenhaft vorkommen - trotz der Kormorane, die die hochrückigen Brassen nur im Jugendstadium, Rotaugen dagegen zahlreich erbeuten.

Kormoran Speiballen

Speiballen geben Auskunft über die aufgenommene Nahrung

Schadwirkungen
Bisherige wissenschaftliche Untersuchungen belegen eine Abhängigkeit möglicher Schäden des Kormorans von vielen Faktoren, insbesondere auch vom Gewässertyp. An großen Binnenseen, auf Flüssen und Küstengewässern gelten diese in der Regel als "nicht erheblich". In der Zeit, in der in Schleswig-Holstein der Kormoran jahreszeitlich seinen Maximalbestand erreicht, besteht die Nahrung der Kormorane aus wirtschaftlich bedeutungslosen Kleinfischen wie Stint, Kaulbarsch, kleinen Flussbarschen und Weißfischen. Es sind sogar positive Effekte auf die Gewässerqualität belegt: Durch das Erbeuten von durch die Gewässereutrophierung besonders stark geförderten Weißfischen verringern Kormorane den Fraßdruck auf das Zooplankton, das durch Filtrieren einem übermäßigen Algenwachstum entgegenwirkt. Ausreichend Wasserflöhe und anderes Zooplankton können jedoch die Gewässertrübung eindämmen, indem sie die mikroskopisch kleinen Planktonalgen wegfiltern. Folge: Der See wird klarer und am Grund können wieder Wasserpflanzen wachsen.

Erwerbsfischerei: Hohe Fangzahlen im Vergleich zum Kormoran
Die von der Erwerbsfischerei genutzten Fischbestände sind nach dänischen Untersuchungen deutlich größer als die des Kormorans (s. Exkurs). Zu beachten ist, dass auch Meeresfische berücksichtigt sind. Wenn daher ein negativer Einfluss auf Fischbestände zu erwarten ist, dann am ehesten durch die Fischerei.

Exkurs: Was Kormorane und Erwerbsfischerei in Dänemark fangen (DOF 1996)
Fischart Kormoran
t pro Jahr
Erwerbsfischerei
t in 1994
Dorsch 1.353 10.277
Schellfisch 1.200 2.447
Seeskorpion 508 0
Sandgrundel 470 0
Aalquappe 430 7
Flunder 300 1.941
Grundel 150 0
Aal 141 525
Plötze, Rotaugen 103 31
Flussbarsch 90 66
Hering 53 25.155
Hecht 30 35
Weißfische 28 1.307
Regenbogenforelle 21 31.000
Seezunge 10 3.168
Stint 3 68
Sandaal 1 7.100
Aal klein

Vor allem durch übermäßigen Glasaalfang bedroht: der Aal. (Foto: Dirk Schories www.guiamarina.com)


Kormoran und Teichwirtschaft
An intensiven Teichwirtschaften und Fischzuchtanlagen sind jedoch bisweilen erhebliche Schäden von 50 - 70 % feststellbar. Hier finden Kormorane Nahrung in hoher Dichte, die Beutefische aber meist keine oder kaum Deckung, um sich zu schützen.

Problematisch wird es vor allem, wenn zu kleine Satzfische eingebracht werden. Dagegen werden große Karpfen nicht vom Kormoran erbeutet. Auch ist längst nicht jeder Produktionsverlust in Karpfenteichwirtschaften dem Kormoran zuzuschreiben. Karpfen sind sehr krankheitsanfällig, darüber hinaus stellen sie bei kühler Witterung das Wachstum ein. So kann in manchen Jahren der Ertrag völlig ausbleiben - auch ohne Einfluss des Kormorans.

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