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Ihlsee - Nährstoffarmut in Gefahr

Ihlsee: Einzigartiger Naturschatz hoch bedroht

Nährstoffeintrag droht Kleinod zu zerstören | Hohe Zahl vom Aussterben bedrohter Arten | Maßnahmen zum Schutz dringend erforderlich

Unterwasservegetation

Am Grund des Ihlsees sind Strandlingsrasen (Littorella uniflora) entwickelt, über die sich stellenweise schon dichtere Bestände des Wechselblütigen Tausendblatts (Myriophyllum alterniflorum) erheben. Beide Arten sind in Schleswig-Holstein vom Aussterben bedroht.

Rarität: Nährstoffarmut
Der überwiegende Teil der Seen Schleswig-Holsteins ist vor allem durch eine Überversorgung mit Nährstoffen dem nährstoffreichen, eutrophen Seentypus zuzurechnen. Nähstoffarme oligo- bis mesotrophe Seen sind bei uns dagegen sehr selten. Diese beherbergen aber in der Regel eine besondere, hoch bedrohte Flora und Fauna.

Der Ihlsee in Bad Segeberg verkörpert neben dem Garrensee (Salemer Moor bei Ratzeburg) und dem Bültsee bei Eckernförde einen dieser letzten, mehr oder weniger intakten nährstoffarmen Klarwasserseen in Schleswig-Holstein. Sein Einzugsgebiet ist einschließlich der Seefläche mit 81,2 ha recht klein - eine Ursache für die Nährstoffarmut. Er beherbergt eine für Schleswig-Holstein einmalig artenreiche Vegetation: Mehrere vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten haben hier einen ihrer letzten Standorte in Schleswig-Holstein.

Bereits 1950 wurde der rd. 28 ha große, im Mittel 7,7 Meter tiefe See daher unter Naturschutz gestellt, seit 1971 von NABU Mitgliedern beobachtet und seit 1983 durch den NABU betreut. Seit 2006 ist er der EU Kommission in Brüssel als FFH-Gebiet und wichtiger Bestandteil des Netzes "Natura 2000" gemeldet worden. Das Land hat damit eine besondere Verantwortung für seine Erhaltung übernommen.

Wasserlobelie

Wasserlobelie

Nutzung gefährdet die Einmaligkeit
Ein Teil der Nährstoffe gelangt heute aus Verbrennungsprozessen über die Luft in den See. Als besondere Belastungsquelle hat sich im Rahmen von detaillierten Untersuchungen die dort befindliche Badestelle herausgestellt. Der See wird jährlich von bis zu 70.000 Personen als Badegewässer genutzt, woraus rd. 20 % der Nährstoffeinträge resultieren. Nur durch eine Verlegung der Badestelle etwa an den Großen Segeberger See ließe sich hier Abhilfe schaffen. Aus Dränageleitungen, Gräben und anliegenden Gärten gelangen zusätzlich Nährstoffe in den See. Der Ihlsee wird weiterhin als Angelgewässer genutzt - eine Belastung für die dort heimische Tier- und Pflanzenwelt. Diese negativen Einflüsse sind den Verantwortlichen auch Dank des engagierten Einsatzes des NABU seit langem bekannt.

Trotz verschiedener Anläufe, die sich verschlechternde Situation zu verbessern, gelang dies u.a. wegen angrenzender Nutzungsansprüche an das Gewässer bislang nicht. Stadt und Kreis Segeberg sowie das Land werden damit der Notwendigkeit, dieses einmalige Kleinod zu sichern, in keiner Weise gerecht: Der Zustand des Sees verschlechterte sich seit der ersten Untersuchung im Jahr 1957 zusehends. Wichtige der wertgebenden, oft vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten machten in den letzten Jahren einen z. T. deutlichen Rückgang durch. Auf Initiative des NABU wurde zuletzt 2005 ein Gutachten in Auftrag gegeben, um den aktuellen Stand zu dokumentieren - mit teils erschreckenden Ergebnissen.

Wasserpflanzen1

Bestandsaufnahme der Vegetation
Der Ihlsee wurde an zwei Tagen im August 2005 beprobt, wobei die Ausbildung der überwiegend untergetaucht (submers) lebenden Vegetation des Gewässers im Vordergrund stand. Im Zuge der Untersuchungen wurde ein 1991 angelegtes Transekt zu Vergleichszwecken nachkartiert. Zudem wurden entlang der gesamten Uferlinie des Ihlsees Bestände seltener Wasserpflanzen sowie die Ausdehnung des Wasserröhrichts erfasst.

Im Rahmen der 2005 durchgeführten Untersuchungen wurden 25 Wasserpflanzenarten erfasst. Insgesamt traten 14 gefährdete Arten auf, darunter allein acht Arten, die in Schleswig-Holstein in der Roten Liste in die höchste Gefährdungsstufe - als "vom Aussterben bedroht" - eingestuft sind.

Die neuen Untersuchungen ergaben für Strandling Litorella uniflora und Wechselblütiges Tausendblatt Myriophyllum alterniflorum gegenüber früheren Untersuchungen noch leidlich stabile Bestände. Die Wasserlobelie Lobelia nordmanna, der Wasserpfeffer-Tännel Elatine hydropiper und vermutlich auch der Pillenfarn Pilularia globulifera zeigen zum Teil deutliche Rückgänge. Dramatisch zurückgegangen sind die Bestände des See-Brachsenkrautes Isoetes lacustris und des Ufer-Hahnenfußes Ranunculus reptans. Letzterer hat am Ihlsee seinen einzigen Wuchsort in Schleswig-Holstein. Das Grasartige Laichkraut Potamogeton gramines wurde wie in früheren Untersuchungen an nur wenigen Standorten im See nachgewiesen. Die Schimmernde Glanzleuchterale Nitella translucens, die ebenfalls landesweit nur hier zu finden ist, ist noch häufiger insbesondere in den tieferen Zonen des Sees verbreitet.

Schilf

Schilf - am Ihlsee unerwünscht.

Schilf
Schilf Phragmites australis ist eine typische Pflanze nährstoffreicher, stehender oder schwach fließender Süßgewässer, die unter optimalen Bedingungen sehr wuchskräftig sein kann. Schilf dringt vom Ufer bis in Wassertiefen von rd. einem Meter vor und bildet dort charakteristische dichte, häufig überwiegend einartige Röhrichte aus. Wegen deren Nährstoffarmut bleiben oligotrophe Gewässer dagegen unbesiedelt - in den schilffreien Bereichen siedeln im Flachwasser dafür konkurrenzarme, niedrigwüchsige Pflanzenarten wie die Wasserlobelie.

Der Vergleich mit aktuellen Verhältnissen zeigt, dass sich die zunächst nur sehr spärlich vorhandenen Schilf-Röhrichte im Verlauf der vergangenen fast 30 Jahre besonders am mittleren und östlichen Nordufer sowie am östlichen Südufer weiter ausgedehnt haben, ein auch für Laien deutlich erkennbarer Hinweis auf eine gestiegene Zufuhr von Nährstoffen. Als problematisch anzusehen ist in diesem Zusammenhang insbesondere die seewärtige Ausdehnung der Schilfbestände, da das Schilf hier mehr und mehr in den Lebensraum der Strandlingsrasen eindringt und diese für den Ihlsee charakteristische Vegetation mit hohem Anteil gefährdeter Arten aufgrund seiner stärkeren Konkurrenzkraft bedroht. Besonders gefährdet sind hierdurch von den typischen Vertretern der Strandlingsrasen die eher an Flachwasserstandorte gebundenen Arten, darunter Ranunculus reptans, Pilularia globulifera, Elatine hydropiper, Juncus bulbosus sowie Lobelia dortmanna.

Auflistung der im Ihlsee erfassten, bedrohten Wasserpflanzenarten
Wissenschaftlicher Name Deutscher Name Rote Liste SH
1 = v. Aussterben bedr.
2 = stark gefährdet
3 = gefährdet
D = Datenlage ungen.
V = Vorwarnliste.
Drepanocladus aduncus Krallenblatt-Sichelmoos D
Elatine hydropiper Wasserpfeffer-Tännel 2
Eleocharis acicularis Nadel-Sumpfbinse 3
Fontinalis antipyretica Quellmoos 3
Isoetes lacustris See-Brachsenkraut 1
Juncus bulbosus Zwiebel-Binse V
Littorella uniflora Europäischer Strandling 1
Lobelia dortmanna Wasser-Lobelie 1
Myriophyllum alterniflorum Wechselblütiges Tausendblatt 1
Myriophyllum spicatum Ähriges Tausendblatt V
Nitella flexilis Biegsame Glanzleuchteralge 3
Nitella translucens Schimmernde Glanzleuchteralge 1
Pilularia globulifera Gewöhnlicher Pillenfarn 1
Potamogeton cf. obtusifolius Stumpfblättriges Laichkraut 3
Potamogeton gramineus Grasartiges Laichkraut 1
Potamogeton trichoides Haarförmiges Laichkraut 3
Ranunculus reptans Ufer-Hahnenfuß 1
Gestörtes Ufer des Ihlsees

Durch Badebetrieb gestörtes Anliegerufer des Ihlsees.

Der Ihlsee und die Wasserrahmenrichtlinie
Der Ihlsee ist als wichtiger Teil der NATURA 2000 Kulisse (Lebensraumtyp "oligotroher Klarwasserseen") gemeldet. Darüber hinaus ist das Gebiet auch vor dem Hintergrund der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) in die Liste der WRRL Vorranggewässer aufgenommen worden und steht damit in einer exklusiven Liste vordringlich zu bearbeitender Seen. Diese Richtlinie sieht ohne Ausnahme bei den natürlichen Seen die Zielerreichung eines guten ökologischen Zustandes bis 2015 vor. Das Land hat sich zur Erarbeitung und Umsetzung Ziel führender Maßnahmenprogramme verpflichtet, die zuständigen Stellen im Land haben am Ihlsee auch explizit dringenden Handlungsbedarf festgestellt.

Soviel zur Theorie. In der Praxis ist der Ihlsee leider aber bis jetzt noch nicht in den Genuss einer schnellen und bevorzugten Bearbeitung gekommen! Dabei besteht auch eine Berichtspflicht darüber, inwieweit Maßnahmen zur Zielerreichung eingeleitet und jede weitere Verschlechterung des Zustandes unterbunden werden soll. Dieses Verschlechterungsverbot besteht sogar in doppelter Hinsicht. Sowohl die EG-WRRL, die für das Gewässer einen guten ökologischen Zustand fordert, als auch aus der Natura 2000 Flora-Fauna-Habitat Richtlinie (FFH), die dem Ihlsee einen guten Erhaltungszustand zuspricht. Aus diesem Grunde fordert der NABU ein sofortiges Abarbeiten der am Ihlsee auftretenden Probleme. Diese sollten in der zuständigen regionalen WRRL Bearbeitungsgebietsgruppe (WWRL BAG) zügig behandelt werden und in ein umfassendes Maßnahmenprogramm einfließen. Die Bearbeitung in den jeweils zuständigen WRRL BAG´s hält der NABU auch für die anderen nährstoffarmen Seen im Lande für erforderlich, wie den Bültsee (Kreis Rendsburg-Eckernförde), den Großen See (Kreis Storman) und den Garrensee (Kreis Herzogtum Lauenburg). Auf diesem Weg könnten dann an diesen wertvollen Seen ähnlich wie an Fließgewässern so genannte "vorgezogene Maßnahmen" finanziert werden.

Ihlsee Sonnenaufgang1

Notwendige Maßnahmen
Zuvorderst müssen von den Verantwortlichen alle Maßnahmen in Angriff genommen werden, die eine Reduktion des Nährstoffeintrages in den See um möglichst die Hälfte bewirken. Dazu gehören u.a.:

  • Beendigung des Badebetriebes. Der Nährstoffeintrag durch Badegäste der Badeanstalt und durch das Baden von Anliegergrundstücken macht über 20% der Gesamtbelastung des Sees aus.
  • Verzicht auf die fischereiliche Nutzung.
  • Vermeidung bzw. Verringerung von Nährstoffeinträgen über Oberflächenwasserzuläufe (Gräben, Oberflächenwasser von Straßen).
  • Verbot der Ausbringung von Düngemitteln im Einzugsgebiet des Gewässers, insbesondere auf den Anliegergrundstücken des Ihlsees.
  • Bei Erdarbeiten in Ufernähe ist eine Einwaschung von Nährstoffen zu verhindern.
  • Es ist sicherzustellen, dass von Äckern keine Nährstoffe in den See gelangen.
  • Aktualisierung der veralteten Naturschutzgebietsverordnung von 1950.

Weitere Informationen ...

Artenreich und nährstoffarmNABU-Naturschutzgebiet ''Ihlsee und Ihlwald''

Der Ihlsee im Norden Bad Segebergs ist einer der bedeutsamsten nährstoffarmen Seen Schleswig-Holsteins. Sein Untergrund und seine Umgebung werden durch eiszeitliche Sande gebildet, die stark ausgewaschen und daher weitgehend von Nährstoffen befreit wurden. Kalk- und Nährstoffarmut gestatten nur bestimmten untergetauchten Pflanzenarten eine stärkere Entwicklung. mehr Mehr

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Der fachgerechten Begleitung der Umsetzung der EU- Wasserrahmenrichtlinie misst der NABU in Schleswig-Holstein eine hohe Bedeutung zu. Die dafür eingerichtete NABU-Landesstelle Wasser koordiniert und begleitet fachlich alle Aktivitäten des NABU. mehr Mehr

Zum Weiterlesen ...

Beitrag aktualisiert am 2. Januar 2009. ILu

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