Schleswig-Holstein.NABU.de Natur vor Ort Vögel in Feld und Garten Finkensterben
Weiterhin tote Grünfinken an Futterstellen
Weiterhin tote Grünfinken an Futterstellen
Erlenzeisige von Salmonellose betroffen | Amselsterben in Süddeutschland | Tote Tiere untersuchen lassen | Tote und kranke Tiere an Futterstellen dem NABU melden
Erlenzeisig - von Salmonellose bedroht
Auch in den Jahren 2010 und 2011 traten an Sommerfutterstellen sterbende Grünfinken auf. Trichomonas gallinae konnte bereits 2009 als Ursache für den Tod von rd. 80.000 Finken mehrfach bestätigt werden. In Bayern und Baden-Württemberg wurden 2009 und 2010 verstärkt Erlenzeisige hinweg gerafft: Hier ist von Tierärzten Salmonellose als Ursache festgestellt worden. Der NABU appelliert weiterhin, generell auf das Tränken der Tiere zu verzichten, Futterstellen jeglicher Art penibel sauber zu halten und beim Auftreten von kranken oder toten Tieren auch das Füttern einzustellen. Wer einen Fall hat, sollte diesen weiterhin - unter Beantwortung der Fragen (s.u.) - dem NABU melden.
Weitere Informationen ...
Trichomonaden bei Grünfinken im Jahr 2009
Im Jahr 2009 kam es zu einem größeren Massensterben von Grünfinken. Als Ursache konnte pathologisch eine hochgradige Schlundentzündung durch 'Trichomonas gallinae' nachgewiesen werden. Der NABU dokumentiert das Gesamtausmaß des Grünfinkensterbens.
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Tödliche Salmonellose am Futterhaus
In normalen Wintern ist der Erlenzeisig nur ein seltener Gast am Vogelhaus. In diesem Jahr dagegen wurden alleine in Bayern mehr als 30.000 Erlenzeisige gezählt. Leider häufen sich nun die Meldungen über tote und kranke Vögel in der Nähe von Futterstellen.
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Der Amselbestand geht merklich zurück
Wie die Auswertungen des NABU ergeben, ist der Amselbestand in Deutschland merklich zurückgegangen. Vorallem in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz ist der Verlust extrem. Dort grassierte 2011 das Usutu-Virus. Ob die Tiere in diesem Jahr bereits immunisiert sind?
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Ursache für das Finkensterben steht fest
NABU: Im Sommer keine Vögel füttern oder tränken
21. Juli 2009: Die Ursache für das seit Anfang Mai 2009 beobachtete massenhafte Sterben von Grünfinken steht fest: Verantwortlich ist der Einzeller „Trichomonas gallinae“, wie Veterinäre nun klinisch bestätigt haben. Nach NABU-Schätzungen sind deutschlandweit mehrere zehntausend Wildvögel an Trichomonaden verendet. Der NABU appelliert daher an Vogelfreunde, jetzt keine Gartenvögel zu füttern und Vogeltränken vorübergehend zu schließen, damit sich die Krankheit nicht weiterverbreitet.
„Dies ist das erste infektiöse Massensterben von Wildvögeln, das weite Bereiche der Bundesrepublik betrifft“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die meist tödliche Krankheit betrifft nicht nur Grünfinken, sondern auch Buchfinken, Kernbeißer, Gimpel, teils auch Elstern, Haussperlinge, Amseln und weitere Arten. Die meisten Fälle wurden in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen sowie in Berlin registriert, aber auch aus dem Saarland sowie aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern gibt es Hinweise, wie der NABU mit Hilfe der Bevölkerung herausfand. Mehr als 200 Hinweise auf kranke, sterbende oder tote Singvögel gingen nach einem NABU-Aufruf ein – sie betrafen weit über tausend Tiere.
Der Aufruf offenbarte bundesweit auch erhebliche Lücken in der Umweltüberwachung. So ist in vielen Fällen unklar, wer für das Monitoring von Krankheitserregern bei Wildvögeln verantwortlich ist. Einige staatliche Untersuchungsämter der Bundesländer lehnen derzeit eine klinische Untersuchung der Tiere aus Kostengründen ab. „Wir sehen hier eine erhebliche Regelungs- und Finanzierungslücke, die bundesweit dringend behoben werden muss“, sagte Schleswig-Holsteins NABU-Geschäftsführer Ingo Ludwichowski. In begründeten Verdachtsfällen müsse es künftig möglich sein, auffälligen ungeklärten Krankheits- und auch Vergiftungserscheinungen in Wildtierpulationen schnell und unbürokratisch nachzugehen.
Als Trichomonaden-Infektionsquelle kommt neben dem direkten Kontakt der Tiere untereinander vor allem Trinkwasser an Futterstellen in Frage, in dem der Erreger bis zu 24 Stunden überleben kann. An solchen Sammelpunkten der Vögel ist die Gefahr der Krankheitsübertragung besonders groß. Der NABU ruft daher dazu auf, Wildvögel im Sommer nicht zu füttern und Vogeltränken vorerst aus dem Garten zu entfernen.
Verdachtsfälle aus Regionen, in denen der Nachweis des Erregers bislang nicht gelang, sollten weiterhin über die Kreisveterinäre zur Untersuchung eingereicht werden. Meldungen über kranke und tote Singvögel nimmt der NABU zudem weiterhin unter Ingo.Ludwichowski@NABU-SH.de entgegen (Fragebogen s. unten).
Für Rückfragen:
Ingo Ludwichowski, NABU-Vogelexperte, Tel. 0160-96230512
Dr. Markus Nipkow, NABU-Bundesgeschäftsstelle, Tel. 030-284984-1620
Rätselhaftes Grünfinkensterben: Sind Trichomonaden die Ursache?
Bundesweite Verbreitung der tödlichen Krankheit | NABU bittet: Kranke und frischtote Vögel zum Nachweis des Erregers den Veterinärämtern übergeben
Grünfink
29. Juni 2009: Ein rätselhaftes Vogel-Sterben beunruhigt derzeit viele Menschen. Zunächst in Schleswig-Holstein, dann auch in Niedersachen und Nordrhein-Westfalen fanden Vogelfreunde seit Anfang Mai immer öfter sterbende und tote Grünfinken an künstlichen Futterstellen. Jetzt liegen auch Funde aus Sachsen und Bayern vor, womit das Phänomen womöglich bundesweit auftritt. Der NABU will die Umstände des qualvollen Todes vieler unsere Singvögel dokumentieren und die Hintergründe gemeinsam mit Veterinären aufklären.
Zunächst wurden dem NABU vor allem tote Vögel aus Schleswig-Holstein gemeldet. An vielen Futterstellen, die Naturfreunde auch im Sommer betrieben, waren tote Grünfinken aufgefunden worden, ohne dass der Grund dafür ersichtlich war. Futterproben und tote Vögel gelangten schließlich auf Bitten des NABU an das Landeslabor in Neumünster, das die Tiere untersuchte.
Veterinäre gehen derzeit von einem Befall mit 'Trichomonas gallinae' aus (s. Kasten). Der Einzeller, ein Geißeltierchen, wurde kürzlich in NRW vom Staatlichen Veterinärmedizinischen Untersuchungsamt in Arnsberg bei Untersuchungen an toten Grünfinken nachgewiesen. 2008 konnten bereits Trichomonaden bei toten Grünfinken in Norwegen, Irland, England und Schottland bestätigt werden. Der Erreger verursacht Entzündungen des Rachen und Schlundes. Ähnliche Befunde können bei Singvögeln aber auch durch Salmonellen hervorgerufen werden. Es sind daher in jedem Fall weitergehende Untersuchungen zur Klärung der Veränderungen erforderlich. Wichtig ist die Einsendung frisch toter Vögel.
Erkrankte Tiere zeigen gelbliche Beläge auf der Schleimhaut des Schlundes und vereinzelt auch des Rachens. Der Schnabel ist verklebt. Häufig finden sich noch Körner im erweiterten Schlund. Die Tiere sind kurzatmig und wirken matt, apathisch und schlafen überdurchschnittlich viel. Ihr Gefieder ist meist stark aufgeplustert. In der Regel sterben die Tiere nach kurzer Krankheitsdauer an der Infektion. Andere Arten wie Buchfink, Gimpel, Stieglitz und Kernbeißer sind aktuell ebenfalls betroffen. Trichomonadosen sind ebenfalls von Tauben („gelber Knopf“), Hühnern und Greifvögeln bekannt. Sie sind hochgradig infektiös und übertragen sich rasch von einem Tier auf das andere. Für Menschen ist der Erreger dagegen harmlos.
Bitte melden!
Zur Aufklärung des Massensterbens von Grünfinken bittet der NABU die Bevölkerung um Mithilfe. Wer selbst tote Vögel gefunden hat, wird gebeten, dies dem NABU unter Beantwortung einiger Fragen zur Situation am Fundort umgehend per Email zu melden (Kontakt s. u.). Sterbende und frisch tote Finken, die unter ähnlichen Bedingungen gefunden wurden, sollten zum Nachweis des Erregers unverzüglich den Veterinärmedizinischen Untersuchungsämtern der Länder gebracht werden.
Fragen zur Meldung von toten Grünfinken
Wo wurden die Vögel gefunden? (PLZ und Ortsname genügen)
Befindet sich dort oder in der Nähe eine Futterstelle, wo zum Fundzeitpunkt gefüttert wurde?
Wurde die Fütterung aktuell eingestellt, hatte dies Auswirkungen auf die Zahl krank oder tot gefundener Tiere?
Wurden den Vögeln Trinkgefäße angeboten?
Wie viele kranke / tote Grünfinken wurden bislang gefunden?
Welche anderen Vogelarten sind in welcher Zahl betroffen (krank / tot)?
Wenn Vögel sterbend gesehen wurden, welche Symptome traten auf?
Sind die aufgefundenen Tiere tierärztlich untersucht bzw. seziert worden? Gibt es eventuelle Befunde der jeweiligen Untersuchungsstelle?
Ist Futter untersucht worden (mit welchen Ergebnissen)?
Gibt es sonstige bemerkenswerte Beobachtungen und Hinweise?
Trichomonas gallinae
Bei Trichomonas gallinae aus der Gruppe der Trichomonaden handelt es sich um sehr kleine, einzellige Geißeltierchen (8 x 14 µm; s. Abb.). Erkrankte Tiere zeigen gelbliche Beläge auf der Schleimhaut des Schlundes und vereinzelt auch des Rachens. Der Schnabel ist verklebt. Häufig finden sich noch Körner im erweiterten Schlund. Die Tiere sind kurzatmig und wirken matt, apathisch und schlafen überdurchschnittlich viel. Ihr Gefieder ist meist stark aufgeplustert. In der Regel sterben die Tiere nach kurzer Krankheitsdauer an der Infektion. Andere Arten wie Buchfink, Gimpel, Stieglitz und Kernbeißer sind aktuell ebenfalls betroffen. Trichomonadosen sind ebenfalls von Tauben („gelber Knopf“), Hühnern und Greifvögeln bekannt.
Trichomonaden sind hochgradig infektiös. Sie übertragen sich rasch von einem Tier auf das andere. Sie kommen auch im Rachen und Schnabel des Vogels vor und gelangen so auch ins Trinkwasser. Hier können sie rund 24 Stunden überleben. Ein weiterer Infektionsweg ist die gegenseitige Fütterung bei Altvögeln oder die der Jungtiere im Nest. Die Behandlung wild lebender Tiere ist nicht möglich. An Fütterungen ist jedoch auf penible Sauberkeit zu achten. Die Konzentration von Vögeln an einem Ort wirkt sich ggf. schon negativ aus.
Trichomonaden können bei Tieren mit einem kräftigen Immunsystem längere Zeit in geringer Zahl im Kropf überleben, ohne zu einem Ausbruch der Krankheit zu führen. Ein gesund wirkender Vogel kann also Träger der Parasiten sein und sie auf seine Artgenossen übertragen.
Ähnliche Befunde wie bei Trichomonaden können bei Singvögeln aber auch z. B. durch Salmonellen hervorgerufen werden. Es sind daher in jedem Fall eine Sektion und weitergehende Untersuchungen zur Klärung der Veränderungen erforderlich. Der Nachweis von Trichomonaden erfolgt durch einen Abstrich im Rachen des Tieres. Hierfür sind noch lebende oder frischtote Tiere notwendig, da der Einzeller nach 24 Stunden in einem toten Tier nur noch schwer unter dem Mikroskop nachweisbar ist.
Trichomonas gallinae ist nicht auf den Menschen übertragbar. Allerdings existieren auch beim Menschen Trichomonaden, die wie Trichomonas vaginalis durch Geschlechtsverkehr übertragen werden.
Meldungen werden deutschlandweit erbeten an
NABU Schleswig-Holstein
Ingo Ludwichowski
eMail Ingo.Ludwichowski@NABU-SH.de
Zusätzlich für Niedersachsen (c.c.)
NABU-Bezirksgeschäftsstelle Braunschweig
Carlo Fuchs
eMail NABU.Braunschweig@t-online.de
2. Juni 2009: Das rätselhafte Sterben von Grünfinken hält weiter an. Auch in den letzten Tagen wurden tote Vögel an Futterstellen gemeldet. Es mehren sich zudem die Hinweise, dass nicht nur Grünfinken, sondern auch Buchfinken, Gimpel und Stieglitze betroffen sein könnten. Sperlinge und Meisen bleiben aber bislang ohne erkennbare Symptome.
Mittlerweile wurden tote Vögel - mindestens 200 Tiere - aus ganz Schleswig-Holstein gemeldet. Der NABU erhielt aber auch Hinweise auf tote gefiederte Futtergäste aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, bei denen zuvor die selben Sympthome auftraten.
Ohne Ergebnis blieben bislang entsprechende Untersuchungen des Schleswig-Holsteinischen Landeslabors, das einige der toten Tiere obduziert hat. Sie wiesen keine Krankheiten und Parasiten auf, die in der Gesamtheit das Geschehen erklären könnten. Am Donnerstag sollen erste Ergebnisse zu den untersuchten Futterproben vorliegen.
Der NABU bittet weiterhin die Bevölkerung um erhöhte Aufmerksamkeit. Von einer Fütterung der Tiere kann bis zur Klärung des Sachvberhaltes auch weiterhin nur nur abgeraten werden.
22. Mai 2009: Ein rätselhaftes Sterben von Grünfinken beunruhigt zur Zeit Schleswig-Holsteins Naturfreunde. U.a. in Ostermarkelsdorf, Niendorf, Heiligenhafen, Großenbrode, Scharbeutz, Lensahn und in Malente (Kreis OH) fanden Vogelfreunde seit Anfang Mai 2009 gehäuft tote Grünfinken an ihren das ganze Jahr über betriebenen Futterstellen sowie verteilt im ganzen Ort. Einzelne Totfunde liegen nun auch aus Lübeck-Hochschulstadtteil und Schlutup sowie aus Oldenburg vor. In Mölln (Kreis RZ) fehlen seit einigen Tagen Grünfinken an sonst stark frequentierten Futterstellen. Am 20. Mai 2009 sind nun auch tote Finken in Eckernförde (Kreis RD) gefunden worden. Aus Bad Oldesloe liegen ebenfalls Totfunde vor. Ob weiter entfernt liegende Orte in Nordfriesland (Langenhorn) ebenfalls betroffen sind, bleibt noch offen. Hinweise kommen in den letzten Tagen auch aus Wesselburen (Kreis HEI) und dem Kreis FL.
Nach Recherchen des NABU besteht wegen teilweiser Gemeinsamkeiten beim Kauf des Futters der Verdacht, dass das mit Erdnüssen und Rosinen versetzte, teils aber auch nur aus Sonnenblumenkernen bestehende Vogelfutter, mittelbar oder unmittelbar von einer Ostholsteiner Firma stammend, die Ursache für das Sterben sein könnte. Dem Verdacht wird derzeit nachgegangen.
Der NABU hat Futterproben sicherstellen lassen. Einige der toten Grünfinken sind zudem zur Klärung der Todesursache eingefroren worden. Bislang hat der NABU Kenntnis von mind. 120 toten Grünfinken. Andere die Futterstellen besuchende Arten wie Meisen, Rabenvögel und Haussperlinge sind nach Informationen der Melder bislang nicht in dieser Zahl betroffen. Ggf. erkranken aber auch einzelne Buchfinken. Grünfinken gelten bei Vogelhaltern als anspruchsvoll und empfindlich. Auffallend ist der zumeist selbe Verlauf des "Krankeitsbildes" bei den Finken. Sie kommen zunächst aufgeplustert zur Futterstelle, werden dann immer "zahmer" und apathischer, um dann nach zwei bis drei Tagen zu sterben.
Tote Grünfinken aus Fehmarn wurden im Landeslabor untersucht.
Der NABU hat das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume LLUR in Flintbek um eine Untersuchung der Proben und Aufklärung des Sachverhalts gebeten. Einige der toten Tiere wurden im Veterinärmedizinischen Untersuchungsamt (Landeslabor) in Neumünster obduziert. Eine erste Sektion ergab bei den toten Tieren keine Befunde, die das Sterben erklären könnten. Salmonellen und andere Krankheiten werden derzeit vom Landeslabor als Ursache weitgehend ausgeschlossen. Die Untersuchungen zu den Futterproben laufen derzeit noch und sollen Ende nächster Woche abgeschlossen sein.
Bitte an Bevölkerung
Der NABU bittet die Betreiber von Vogelfütterungseinrichtungen im Land, bis zur Klärung des Sachverhaltes die Fütterung einzustellen. Wer selbst ein ähnliches Phänomen beobachtet, wird gebeten, dies dem NABU unter Ingo.Ludwichowski@NABU-SH.de zu melden.
ILu, akt. 29. Juni 2009
Linkliste Trichomonaden
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