Schleswig-Holstein.NABU.de Natur erleben NABU-Schutzgebiete Übersicht Geest einschließlich Moore, Heiden etc. NABU-Naturschutzgebiet ''Twedter Feld''
NABU-Naturschutzgebiet ''Twedter Feld''
NABU-Naturschutzgebiet "Twedter Feld"
Idylle vor den Toren von Flensburg
Das Twedter Feld, Flensburgs erstes Naturschutzgebiet, ist etwa 90 Hektar groß und wurde 2003 als NSG ausgewiesen. Es grenzt zwar teilweise an städtische Wohnbebauung und intensive Landwirtschaft, hat aber dennoch für den Naturfreund einiges zu bieten. Die Landschaftsaspekte sind recht vielfältig: Neben Bruchwald, feuchten Senken, kleinen Mooren und natürlichen Bachläufen finden sich Trockenrasen und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Der Boden ist in weiten Bereichen nährstoffarm, da im Anschluss an die letzte Eiszeit vom Wind verwehter Sand das Gletschergeröll im Bereich des NSG überdeckt hat.
Die Nährstoffarmut ist für die Pflanzenwelt des Gebiets bedeutsam. Über 300 Blütenpflanzen und fast 80 Moosarten wurden hier gefunden. An selteneren Arten sind die Grüne Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha), der Sandthymian (Thymus pulegioides), der Wundklee (Anthyllis vulneraria), die Gemeine Kreuzblume (Polygala vulgaris), der Klappertopf (Rhinanthus minor), das Sumpfveilchen (Viola palustris), der Gagelstrauch (Myrica gale) und unter den Moosen die Graue Zackenmütze (Rhacomitrium canescens) aufzuführen.
Der Baumbestand des Twedter Felds ist noch von einer historischen Nutzung geprägt. Der Wald wurde bis zum 20. Jahrhundert von den Bauern stark genutzt. Durch häufigen Holzeinschlag und die Waldweidewirtschaft wurden Pionierarten wie die Birke und stockausschlagfähige Arten wie Stieleiche und Hainbuche gefördert. Die letztgenannte Art ist recht häufig im Twedter Feld, wird aber von vielen Besuchern mit der Buche verwechselt.
Der NABU Flensburg bietet Interessierten Führungen in das NSG Twedter Feld an
Mehr als 700 Pilzarten
Mehr als 700 Pilzarten wurden in den letzten Jahren im Naturschutzgebiet nachgewiesen. Der hohe Totholzanteil trägt mit zum Pilzreichtum des Gebiets bei. Arten, die vom Hauptweg aus häufiger gesehen werden können, sind der schöne Scharlachrote Kelchbecherling (Sarcoscypha austriaca), der schon im zeitigen Frühjahr zu finden ist, der an Kartoffelbovisten wachsende Parasitische Röhrling (Xerocomus parasiticus), die einzige parasitisch lebende Röhrlingsart, der Halskrausen Erdstern (Geastrum triplex) mit seiner eigentümlichen, fast menschenähnlichen Gestalt oder der seltener werdende Dunkelviolette Dickfuß (Cortinarius violaceus), der schwach nach Zedernholz riecht.
Viele Vogelarten
107 Vogelarten wurden im Naturschutzgebiet beobachtet. Die häufigsten Brutvögel des Gebiets sind Zaunkönig, Blaumeise, Kohlmeise, Mönchsgrasmücke, Singdrossel, Amsel, Rotkehlchen, Fitis, Buchfink, Gartengrasmücke, Dorngrasmücke, Klappergrasmücke, Sumpfmeise, Schwanzmeise, Gartenbaumläufer, Graugans und Bachstelze.
Unter anderem um den Schutz der Fledermäuse im Gebiet kümmert sich der NABU. Davon profitiert das Braune Langohr. 2011 ließen sich 44 dieser Tiere im NSG nachweisen. Daneben leben hier Zwerg-, Mücken- und Breitflügelfledermäuse.
An Amphibien lassen sich von den Wegen aus gelegentlich Moor- und Grasfrösche beobachten, manchmal auch Erdkröten und Teichmolche. Laubfrösche sind eher zu hören als zu sehen. Glück benötigt man, um den Kammmolch zu Gesicht zu bekommen. Eher zu beobachten sind Reptilien wie Waldeidechse, Blindschleiche und Ringelnatter.
Insektenreich
An Insekten kann man im Frühjahr den Aurorafalter (Anthocharis cardamines) und im Sommer das Waldbrettspiel (Pararge aegeria), den Kleinen Feuerfalter (Lycaena phlaeas) oder das Große Ochsenauge (Maniola jurtina) sehen. Auf blühenden Pflanzen fallen auch Schwebfliegen wie die anmutige Hummel-Keilfleckschwebfliege (Eristalis intricaria) oder seltener die schöne Hummel- Moderholzschwebfliege (Temnostoma bombylans) auf, deren holzfressende Larven durch den Totholzreichtum des Gebiets begünstigt werden.
Dunkelvioletter Dickfuß
Um den größten Teil des Waldes im NSG verläuft ein Rundweg. Dieser umschließt eine kleine, sich fast völlig selbst überlassene „Wildnis“, in die man hinein spähen und hinein lauschen kann, die man aber nicht betreten soll. Der Baumbestand in großen Teilen dieses Waldes konnte sich ungestört durch forstliche Arbeiten als natürlicher Wald entwickeln, nachdem noch in der Nachkriegszeit alles Holz entnommen worden war. Die Nutzungsaufgabe trägt zum Reiz dieses Gebietes bei. Man erkennt Baumleichen in sämtlichen Stadien des Zerfalls. Alles wächst kreuz und quer, Bäume bedrängen sich gegenseitig, Efeu ringt scheinbar Bäume nieder, Äste winden sich schlangenartig, Waldgeißblatt und Waldrebe ranken und Brombeeren wuchern. An Holz wachsende Pilze wie Zunderschwamm, Birkenporling, Schuppiger Porling, Judasohr und Schillerporlinge kann man hier sehen.
Gute Beobachtungsmöglichkeiten
Zur Förderung der Naturerlebnismöglichkeiten wurden im NSG auf Initiative des NABU hin drei Beobachtungspunkte errichtet. Wenn man von einem der Eingänge im Westen her von den Straßen Osterallee, Oleanderhof, Twedter Feld oder Kiefernweg ins NSG kommt und den Rundweg im Wald entgegen dem Uhrzeigersinn begeht, gelangt man zunächst zu einem ebenerdigen Beobachtungspunkt an der Grenze zwischen Wald und Wiese. Man blickt nach Norden auf einen Waldrand, aus dem nicht selten Rehe oder Damwild hervor treten oder Hasen heraus hoppeln. Nach Süden sieht man auf den Rand eines alten Knicks. Die Wiese - bis 2010 zunächst intensiv landwirtschaftlich genutzt - war monoton grün. Jetzt entwickelt sie sich lebendiger und farbiger im Sinne des Naturschutzes, da sie in das Eigentum der Stiftung Naturschutz übergegangen ist, alte Entwässerungsmaßnahmen aufgehoben und Feuchtgebiete angelegt wurden.
Hummel-Moderholzschwebfliege
Durch die Wiese fließt der östliche Arm der Mühlenbek. Hier stehen manchmal Graureiher. Im Sommer kann man häufiger Rauchschwalben, Goldammern, Schwanzmeisen, Sumpfmeisen, Wintergoldhähnchen, Kleiber und Dompfaffe in diesem Grenzbereich zwischen Wald und Wiese hören und sehen. Abends sind Breitflügel- sowie Zwerg- und Mückenfledermäuse zu beobachten.
Schräg gegenüber dem ersten Beobachtungspunkt, am linken Ende der Wiese, liegt der zweite Stand. Dorthin gelangt, wer den Hauptweg weitergeht und an der nächsten Wegkreuzung nach Süden in Richtung Nordstraße (Blocksberg) abbiegt. Man steht auf einem kleinen Hügel, der einen Überblick über die Landschaft als Nahtstelle zwischen Naturschutzgebiet und intensiver Landwirtschaft bietet. Auf einer auf drei Seiten malerisch von Wald umgebenen, naturnahen Weide mit mehreren Tümpeln, auf die man nach Nordosten vom Beobachtungspunkt herunterblickt, grasen manchmal Schafe mit ihren Lämmern. Die Weide südöstlich des Beobachtungspunktes wird intensiv bewirtschaftet und ist nicht Teil des Schutzgebietes. Nach Südwesten sieht man auf dieselbe Wiese wie vom ersten Beobachtungspunkt, blickt aber in ein weiteres Feuchtgebiet.
Artenreiche Saumbiotope
Der Waldrand, auf großer Länge vom Beobachtungspunkt aus gut zu überblicken, ist ein artenreicher Saumbiotop. Zur richtigen Jahres- und Tageszeit sind seltenere Vögel wie Baumfalke, Großer Brachvogel, Waldschnepfe und Singschwäne anzutreffen. Häufiger sind Kolkrabe, Dohle, Turmfalke, Rohrweihe, Mäusebussard, Feldlerche, Rotdrosseln, Rohrammer, Sprosser (zuletzt seltener), Feldschwirl (seltener in den letzten Jahren), Neuntöter, Dorngrasmücke, Gelbspötter, Grauschnäpper, Gartenrotschwanz, Wiesenpieper und Sumpfrohrsänger. Ganz wichtig ist ein guter Feldstecher. Die Balustrade des Beobachtungspunktes ist so konstruiert, dass man sich mit seinem Fernglas gut abstützen kann. An Insektenarten treten Moschusböcke, Aurorafalter, Hornissen, verschiedene Libellenarten und Sandbienen auf. Auch Waldeidechsen und Erdkröten leben hier.
Waldeidechse
Zum letzten Beobachtungspunkt gelangt, wer auf den als Rundweg angelegten Hauptweg zurückgeht und auf diesem weiter bis zu dem Punkt wandert, wo der westliche mit dem östlichen Arm der Mühlenbek zusammenfließen. Die Beobachtungsmöglichkeit befindet sich - über eine Holztreppe zugänglich - erhöht auf einem alten Schießstandwall aus dem Kaiserreich. Hier bietet sich eine interessante Aussicht auf das Kerbtal der Mühlenbek, das typisch für die Jungmoränenlandschaft ist. Im Frühjahr kann man in diesem Kerbtälchen die Gebirgsstelze entdecken, die in der Nähe schon gebrütet hat. Nach Süden blickt man in einen schönen, auwaldartigen Forstteil zwischen den beiden Armen der Mühlenbek. Wer Glück hat, dem zeigt sich hier die Waldschnepfe. Nach Norden geht der Blick über zwei weitere Wälle auf einen Wildnis-Charakter ausstrahlenden Bruchwald mit Tümpeln, letztere zeitweilig dicht mit Wasserfedern bewachsen.
Oft trommeln oder rufen hier Buntspechte. Im zeitigen Frühjahr grenzen hier die Reviere mehrerer Zaunkönige und Rotkehlchen aneinander. Später im Frühjahr hört man Mönchs- und Gartengrasmücke sowie manchmal den Trauerschnäpper. Abends hallt häufig der Ruf des Waldkauzes durch den Wald. Nicht selten sieht man Fledermäuse.
Aktuelle Beobachtungstipps für das Gebiet gibt die Internetseite des NABU Flensburg unter www.NABU-Flensburg.de.
Kontakt
NABU Schutzgebietsreferent
Rainer Niss
Info@NABU-SH.de
Der Blick ins Schutzgebiet
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