Was ist uns unsere Zukunft wert?
Die Debatte im Landtag um die A20-Einigung zeugt von Unverständnis und wirtschaftlicher Kurzsichtigkeit
Blühende Trave mit Flutendem Hahnenfuß – ein einmaliges FFH-Schutzgebiet und eine wichtige Naturachse für viele Fledermausarten. - Foto: NABU / Alfred Ortmann
Der In der gestrigen Landtags-Debatte wurde teils heftig über das Für und Wider der kürzlich geschlossenen Einigung zum Segeberger Abschnitt der A20 diskutiert. Im Fokus der Diskussion stand die Debatte, ob diese Einigung mit 14 Mio. Euro nicht zu teuer „erkauft“ sei. Und, ob künftige Lösungen nicht anders aussehen müssten. Trotz zahlreicher Punkte wurden wesentliche Punkte nicht angesprochen.
Diese Einigung für 14 Mio. Euro koste 500 Euro pro Fledermaus, war manch einem Abgeordneten zu entnehmen. „Wer hier ausschließlich die einzelne Fledermaus in den Blick nimmt, hat das Problem ganz grundlegend missverstanden,“ kommentiert Thomas Rothmund, Geschäftsführer des NABU Schleswig-Holstein. „Die Fledermäuse erfüllen wichtige Aufgaben in komplexen Ökosystemen. Werden die Fledermäuse aus diesen Ökosystemen herausgenommen, schwächt das die Funktionalität der Systeme massiv.“ Rothmund vermisste nicht nur diesen Aspekt in der Debatte, sondern auch die Gegenrechnung: „Naturschutz hat einen immensen volkswirtschaftlichen Nutzen. Ohne intakte Ökosysteme steigen Kosten für sauberes Trinkwasser ins Unermessliche, die Landwirtschaft würde kollabieren und Extremwettereignisse würden uns härter treffen. Diese Ökosystemdienstleistungen wurden in der Debatte völlig übergangen. Wer dies mitbedenkt, erkennt, dass die 14 Mio. Euro eine für das Allgemeinwohl notwendige Investition darstellen.“
500 Euro pro Fledermaus? Das Verständnis von (auch volkswirtschaftlicher) Notwendigkeit intakter Ökosysteme hat sich im schleswig-holsteinischen Landtag noch nicht flächendeckend durchgesetzt. - Foto: Wikipedia Commons/Avij
Zu hohe Kosten für die Einigung? Zu hohe Kosten für fehlerhafte Planung!
„Wir möchten an dieser Stelle eine Lanze für Verkehrsminister Madsen brechen“ sagt Alexander Schwarzlose, Landesvorsitzender des NABU Schleswig-Holstein. „Madsen möchte die Autobahn, wir nicht. Obwohl wir von gegensätzlichen Positionen kamen und kommen, ist es ihm gelungen, einen integrativen und fruchtbaren Prozess anzustoßen. Es war ein neuer Ansatz, ein Versuch, Dinge besser zu machen.“ Und der Versuch hat aus Sicht des Ministeriums sein wichtigstes Ziel erreicht – die Autobahn wird gebaut. Etwas, das keinem von Madsens Vorgängern gelungen war. Wer nun die Frage nach zu hohen Kosten für die Einigung stellt, der müsse auch die Frage nach den Kosten für das Versagen von Madsens Vorgängern und die fehlerhafte Planung stellen. „Madsen hat mit uns auf Augenhöhe verhandelt und echtes Interesse an unseren Beiträgen zu einer konstruktiven Lösung gezeigt – das hat den Unterschied gemacht,“ schließt Schwarzlose. Mit diesem Ansatz von Beginn an wäre der Prozess viel schneller und für alle Seiten günstiger verlaufen.
Der NABU Schleswig-Holstein heißt die A20 nach wie vor nicht gut – zu groß sind die Schäden für Natur, Umwelt und Klima.
AS/RED 21.11.2025
