Wie gut schützt uns die Natur in der Klimakrise noch?
Neuer ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index zeigt, wo Landschaften noch kühlen, Wasser speichern und Klimaextreme abfedern – auch in Schleswig-Holstein besteht Handlungsbedarf
Der neue ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index legt offen, wie stark die natürliche Infrastruktur in Deutschland heute bereits geschädigt und in ihrer Funktion als Schutz gegen Klimaextreme gefährdet ist. - Grafik: EUCONICS
Deutschland verliert die natürliche Schutzfunktion seiner Landschaften: Der gestern vom NABU und dem ECONICS Institut in Berlin vorgestellte ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index (GFKI) 2026 zeigt bundesweit, wie leistungsfähig Natur bei Kühlung, Wasserrückhalt und Klimaanpassung ist. Das Ergebnis ist alarmierend: Viele Regionen verlieren ihre Fähigkeit, Hitze zu mildern, Wasser in der Landschaft zu halten und die Folgen der Klimakrise abzufedern.
Überhitzte Landschaften - auch in Schleswig-Holstein
Auch in Schleswig-Holstein zeigt sich, wie wichtig intakte Natur für den Schutz vor Hitze, Dürre und Starkregen ist. „Trotz der kühlenden Wirkung der Meeresluft finden wir auch in Schleswig-Holstein überhitzte Landschaften. Vor allem dort, wo im großen Stil konventioneller Ackerbau betrieben wird und das begleitende Grün fehlt“, fasst Alexander Schwarzlose, Landesvorsitzender des NABU Schleswig-Holstein, die Ergebnisse zusammen.
„Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index macht deutlich: Natur ist keine Kulisse, sondern unsere natürliche, notwendige Infrastruktur. Intakte Wälder, Moore, Auen und Grünflächen speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und machen unsere Landschaften widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise“, sagt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. Der GFKI bewertet Landschaften anhand der drei Faktoren „grün“, „feucht“ und „kühl“. Besonders intensiv genutzte Agrarregionen, stark versiegelte Städte und ausgebaute Gewässerräume weisen häufig Defizite auf. Der bundesweite Trend ist negativ.
Studie liefert konkrete Vorschläge zur Verbesserung
„Die Ergebnisse des ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index‘ und seines Veränderungstrends beruhen nicht allein auf Experteneinschätzungen, sondern werden exakt gemessen. Es werden vor allem große Mengen hochauflösender Satellitendaten eingesetzt. Neu ist auch, dass wir sehr konkret vorschlagen, welche Gebiete mit hoher Priorität geschützt, stabilisiert oder wiederhergestellt werden müssen“, erläutert Studienautor Prof. Dr. Pierre Ibisch. „Auch in Schleswig-Holstein sehen wir, dass unsere natürlichen Schutzfunktionen nicht mehr ausreichen und wir sie rasch stärken müssen. Moore müssen konsequenter als bisher wieder vernässt, Flüsse müssen umfangreicher renaturiert werden“, ergänzt Schwarzlose. „Und in die Agrarlandschaft müssen Hecken und Bäume zurückkehren.“
Renaturierung wirkt!
Gleichzeitig zeigt die aktuelle Studie: Renaturierung wirkt. Wo natürliche Prozesse zugelassen und geschädigte Ökosysteme wieder hergestellt werden, können Landschaften ihre Funktionen zurückgewinnen – etwa durch regenerative Landwirtschaft mit Zwischenfruchtfolgen, die Wiedervernässung von Mooren, die Renaturierung von Flüssen und Auen oder mehr Grün in den Städten. Und er macht eines unmissverständlich deutlich: Naturschutz schützt zuallererst uns Menschen selbst!
Dass die Bevölkerung diesen Weg unterstützt, zeigt auch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des NABU: Fast 85 Prozent der Menschen in Deutschland und 87 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein befürworten das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur. Die Ergebnisse unterstreichen den breiten gesellschaftlichen Rückhalt für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und für Renaturierungsmaßnahmen als wirksamen Beitrag zum Klima-, Natur- und Hochwasserschutz.
NABU fordert konsequenten Schutz natürlicher Infrastruktur
„Auch mit Blick auf die Landtagswahl im kommenden Jahr ist diese Erkenntnis interessant“, merkt Schwarzlose an. Der NABU fordert Bund und Länder auf, die natürliche Infrastruktur konsequent zu stärken. Dazu gehören die konsequente Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung, ein Bundesgesetz zum Schutz Natürlicher Infrastruktur sowie mehr Tempo bei der Renaturierung und der Vernetzung von Lebensräumen.
Mehr NABU-Infos zum GFKI mit der Studie zum Download
Mehr Infos zum EU-Wiederherstellungsgesetz der Natur
PM / EK, 15.07.2026
