Schleswig-Holstein.NABU.de Themen National- & Naturparke Nationalpark Salzwiesen
Salzwiesen
Salzwiesen
Wertvoller Lebensraum im Wattenmeer-Nationalpark
Salzwiese auf Trischen (Foto: Stefan Wolff)
Weltweit einzigartig
Salzwiesen in Schleswig-Holstein sind in ihrer Zusammensetzung und Größe weltweit einzigartig. Lange bevor Menschen diesen Lebensraum für sich entdeckten, haben Tiere und Pflanzen sich an diesen Extremstandort angepasst und ein eigenes Ökosystem gebildet. Nach der Besiedlung durch den Menschen war dieser Lebensraum ernsthaft bedroht. Durch menschliche Nutzung entsprach die Salzwiese eher eine Salzweide und neben dem katastrophalen ökologischen Zustand war auch deren Küstenschutzfunktion eingeschränkt. Durch Bemühen der Natur- und Küstenschutzbehörden sowie vehementen Forderungen der Naturschutzverbände konnte erreicht werden, dass gut ein Drittel der Salzwiesen aus der Nutzung genommen wurden.
Foto: Martin Stock
Saumbiotop
Die Salzwiesen an der schleswig-holsteinischen Westküste bilden ein Saumbiotop von rund 11.600 ha. Dies ist geschichtlich gesehen aber nur ein spärlicher Rest. Auch nach der Besiedlung der Küstenregion durch den Menschen bildeten die Salzwiesen einen breiten Übergangsbereich zwischen Wattenmeer und höher gelegener Marsch, der durch ein Mosaik von Brack- und Salzwasservegetation geprägt war.
Bereits um 1.000 n. Chr. begannen die Menschen, höher gelegene Bereiche durch Deiche zu schützen. Später wurde dann gezielt Vorland vor dem Deich geschaffen. Mit dem zunehmenden Vordringen des Menschen wurde auch das Vorland vornehmlich mit Schafen extensiv beweidet. Ein Miteinander zwischen Mensch und Natur, das lange seine Gültigkeit behielt. Dies änderte sich erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Starke Intensivierung der Nutzung
Nie zuvor gab es eine solch intensive Vorlandbeweidung, wie sie durch eine aus heutiger Sicht verfehlte landwirtschaftliche Subventionspolitik vor gut 40 Jahren vorangetrieben wurde und die ihren Höhepunkt in den 80er Jahren fand. 90 % der Salzwiesen wurden intensiv beweidet, aus Küstenschutzsicht bedenklich kam es zu erheblichen Überweidungs- und Trittschäden.
Strandbeifuß (Foto: Stefan Wolff)
Da die Salzwiesen aber ein wichtiger Bestandteil des Küstenschutzsystems und aus Naturschutzsicht ein gefährdeter Lebensraum sind, wurde die Beweidung wieder zurückgenommen und die bedrohten Salzmarschen unter Schutz gestellt.
Aufgrund des großen gemeinsamen Interesses zwischen Küsten- und Naturschutz, vereinbarte man 1995 das sogenannte "Vorlandmanagementkonzept". Kernaussage ist es, "vorhandenes Vorland zu erhalten und vor Schardeichen (Deichabschnitte an denen sich noch keine Salzwiesenvegetation gebildet hat) neu zu gewinnen."
Vorlandmanagement
Nach 10jähriger Erfahrung soll dieses vorbildliche Konzept fortgeführt und weiterentwickelt werden. Salzwiesen sind gefährdete Lebensräume und in ihrer Gesamtheit durch das Bundes- und Landesnaturschutzgesetz geschützt (BNatSchG, LNatSchG). Im europäischen Kontext sind Salzwiesen Bestandteil des NATURA 2000 - Netzwerkes und zählen zu den im Anhang I der FFH-Richtlinie aufgelisteten geschützten Lebensräumen. Im "trilateralen" Wattenmeer werden die Salzwiesen in der Roten-Liste der gefährdeten Biotope geführt. Um den genannten Erfordernissen Rechnung zu tragen, sind im trilateralen Wattenmeerplanes folgende Ziele für den Salzwiesenschutz formuliert worden:
- Vergrößerung der natürlichen Salzwiesenfläche,
- Verbesserung der natürlichen Morphologie und Dynamik, einschließlich natürlicher Entwässerungsbedingungen in künstlich geschaffenen Salzwiesen unter der Voraussetzung, dass die bestehende Fläche nicht verringert wird,
- naturnäheres Vegetationsgefüge bei künstlich geschaffenen Salzwiesen sowie
- Schaffung günstiger Voraussetzungen für Zug- und Brutvögel.
Foto: Martin Stock
Ökologische Besonderheiten
In der Salzwiese können nur Pflanzen wachsen, die die Überflutung und damit den Salzgehalt des Meeres ertragen und sich daran angepasst haben. Zahlreiche Insekten und Spinnenarten sind auf diesen Lebensraum spezialisiert. Wie empfindlich und komplex dieses Ökosystem ist, zeigt sich vor allem bei den Wirbellosen. Von den bisher rund 2.000 bekannten Arten kommen rund 50 % hoch spezialisiert nur in der naturnahen oder der natürlichen Salzwiese vor. Beispiel für solche endemische Arten sind der Halligfliederspitzmausrüsselkäfer oder der Strandwegerichgallrüsselkäfer von dem wiederum die Strandwegerichgallrüsselkäferlarvenwespe lebt.
Die überragende internationale Bedeutung der Salzwiesen für Vögel als Brut- und Rastgebiet wurde mehrfach beschrieben und wird auch nicht (mehr) in Frage gestellt. Betrachtet man z. B. die Salzwiesen der Hamburger Hallig, auf der seit 1991 ein Beweidungsmanagement auf 1.050 ha stattfindet, wird klar, wie positiv sich eine extensive Nutzung bzw. die Einstellung der Beweidung auf die Brutvögel auswirkt. Als einer der Indikatorarten für die Entwicklung zu mehr Naturnähe stieg die Zahl des Rotschenkels von gelegentlichen Einzelbruten in den Anfangsjahren auf aktuell (2005) über 400 Brutpaare in der unbeweideten Fläche an.
Brutbestandsentwicklung von Küstenvögeln seit Beginn der Beweidung auf der Hamburger Hallig
| Vogelarten mit Bestandsabnahme und stabilem Bestand | |
|---|---|
| Eine Bestandsabnahme zeigten ... | Einen stabilen Bestand zeigten ... |
| Küstenseeschwalbe | Austernfischer |
| Sandregenpfeifer | Säbelschnäbler |
| Lachmöwe | |
| Sturmmöwe | |
| Silbermöwe | |
| Vogelarten mit Bestandszunahme, Neu- und Wiederbesiedlung | |
|---|---|
| Eine Bestandszunahme zeigten ... | Die Salzwiese wurde neu- oder wiederbesiedelt von ... |
| Brandente | Graugans |
| Stockente | Reiherente |
| Rotschenkel | Eiderente |
| Heringsmöwe | Löffelente |
| Wiesenpieper | Mittelsäger |
| Feldlerche | Kiebitz |
| Kampfläufer | |
| Uferschnepfe | |
| Sumpfohreule | |
| Rohrammer | |
| Bluthänfling | |
Queller (Foto: Stefan Wolff)
Ausblick
Lediglich 36 % aller Salzwiesen sind aus der Nutzung genommen worden, 45 % werden weiterhin intensiv beweidet! Für einen besseren Küsten- und Naturschutz sollte der bisher eingeschlagene Weg einer weiteren Extensivierung und damit auch einer Wiedervernässung der Salzwiesen durch die Aufgabe der künstlichen Entwässerung dort, wo es möglich ist, weitergegangen werden. Dies würde dem Naturschutzziel im Nationalpark und den nationalen- und internationalen Naturschutzvorgaben Rechnung tragen.
Literaturtipp
Welche Erfolge der Salzwiesenschutz an der Westküste von Schleswig-Holstein erzielt hat, ist in dem neuen Salzwiesenatlas "Salzwiesen an der Westküste von Schleswig-Holstein 1988 - 2001" (Stock et al. 2005) dargestellt. Anhand von Luftbildern werden die Salzwiesen der gesamten Westküste mit detaillierten Vegetationskarten für die Jahre 1988, 1996 und 2001 gezeigt. Eine Flächenbilanz rundet die Betrachtung ab. In einem einleitenden Text, der reich illustriert ist, werden die Erfassungsmethoden sowie die Ergebnisse mit Grafiken und Tabellen dargestellt. Für fünf Einzelgebiete ist eine detaillierte Auswertung vorgenommen worden. Das Buch dokumentiert die Ergebnisse der gemeinsamen Bemühungen der zuständigen Behörden um den Salzwiesenschutz.

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