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Fischerei-Lobbyismus führt in die Sackgasse

Fischerei-Lobbyismus führt in die Sackgasse

Kritik an verringerten Fangquoten der EU unbegründet. Innovative Fangtechniken und Zertifizierung der Fischerei sind Ausweg aus der Krise

Kleine Küstenfischerei

Kleine Küstenfischerei

31. Oktober 2008: NABU Schleswig-Holstein, BUND Mecklenburg-Vorpommern, Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) reagieren mit Unverständnis auf das alljährliche Geschacher um Fangquoten in Nord- und Ostsee. Statt nun noch die letzten 20 % der nutzbaren Fischbestände auf dem Altar der Fischerei-Interessen zu opfern, müssen unverzüglich neue, nachhaltige Konzepte zur Sicherung der Fischbestände und zum Erhalt der kleinen Küstenfischerei erarbeitet und umgesetzt werden.

Eingriff in weltgrößtes Ökosystem
Nach Ansicht der Verbände muss zunächst die Erkenntnis reifen, dass die Fischerei in ihrer heutigen Form einen nicht mehr akzeptierbaren Eingriff in das größte Ökosystem der Welt darstellt – mit dramatischen Folgen für die Umwelt. Dass ein Großteil der Fische bereits gefangen wird, bevor er erstmals ablaicht, ist nur ein Fehler im System. „Beim Dorsch fehlen vor allem die früher zahlreichen großen Tiere, die erheblich mehr Eier produzieren und einen großen Anteil an der Reproduktion hatten“, erklärt Petra Deimer von der GSM. Selektivität beim Fang bedeutet daher, dass zukünftig nicht nur zu kleine, sondern auch sehr große Fische geschont werden müssen.

Neben der Fischerei beeinflussen dabei weitere Faktoren die Bestandsentwicklung verschiedener Fischarten. Dazu gehören neben dem Klimawandel auch Veränderungen des Lebensraums und die durch den stark angewachsenen Schiffsverkehr verstärkte Einwanderung exotischer Arten wie die Fischlaich fressenden Rippenqualle Mnemiopsis.

Nicht Kutterfischer sind die Schuldigen
„Nicht die kleinen Kutterfischer an der Nord- und Ostsee tragen die Schuld am Rückgang des Herings, aber auch sie müssen reagieren, wenn sie in Zukunft weiter ihrem Beruf nachgehen wollen“, erklärt Ingo Ludwichowski vom NABU. „Einseitige Schuldzuweisungen an Fischereikollegen jenseits der deutschen Grenzen helfen allein nicht weiter.“

Toter Dorsch am Strand

Toter Dorsch am Strand

Eine Kompensation der Fangausfälle für die Fischer durch den Fang andere Arten ist heute kaum noch möglich. Dies ist ein Resultat der jahrelangen, verfehlten ‚Gemeinsamen Fischereipolitik‘ der EU. Durch das Versagen der EU sind mittlerweile 80 % der wirtschaftlich nutzbaren Fischarten überfischt. „Die gemeinsame Fischereipolitik der EU hat auf ganzer Linie versagt und vermag heute keine Antwort mehr auf die Herausforderungen von morgen geben“, kritisiert Ulrich Karlowski von der GRD. „Die Folge der Hilflosigkeit ist ein peinliches Geschacher der EU mit den Lobbyisten der Fischerei um Fangquoten, ohne dass den Erkenntnissen unabhängiger Fischereibiologen Rechnung getragen wird und eine Trendwende gelingt“.

Nach Ansicht von GSM, GRD, BUND und NABU ist es an der Zeit, dass Fischer, Forschungsinstitute, Umweltverbände, Politiker und Behörden gemeinsam innovative Konzepte vor Ort entwickeln und umsetzen, um Fischbestände zukunftsfähig zu nutzen.
Zu einem integrativen Konzept gehören nach Ansicht der Naturschutzverbände u. a.

• Die Entwicklung mehrjähriger Management- und Bewirtschaftungspläne für alle nutzbaren Fischarten, wobei jeweilige Auswirkungen der Fischerei auf die Meeresumwelt deutlich zu gewichten sind.

• Die Einrichtung großer nutzungsfreier Gebiete als Keimzelle für sich nachhaltig regenerierende Fischbestände.

• Die Verwendung selektiver Fangmethoden, die einerseits auch die Bestände großer, alter Fische schonen und zusätzlich den Beifang von Meeressäugetieren und Seevögeln ausschließen.

• Die Zertifizierung der regionalen Kutterfischerei an Hand ökologischer Kriterien, um für Verbraucher Unterschiede sichtbar zu machen und Wahlmöglichkeiten zu eröffnen.

Höhere Preise für zertifizierte Produkte
Dabei müssen die Verbraucher bereit sein, ähnlich wie für Produkte des ökologischen Landbaus auch für umweltgerecht gefangenen Fisch einen höheren Preis zu zahlen. Die Gegenleistungen sind höherwertige Produkte und eine gesunde Meeresumwelt. Billiger Fisch lässt sich nur auf Kosten der Natur und unter Verlust regionaler Arbeitsplätze auf dem Markt bringen.

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