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Vogel des Jahres 2010: Der Kormoran
Vogel des Jahres 2010: Der Kormoran
Opfer überkommener Vorurteile | Fischfressende Vogelart ist natürlicher Bestandteil unserer Gewässer | Kormoran frisst kaum wirtschaftlich bedeutsame Fischarten
Kormoran im Portrait
Der NABU hat den Kormoran zum „Vogel des Jahres 2010“ gewählt. Nicht ohne Grund: Unter dem Vorwand eines Kormoran-Managements hat auch Schleswig-Holstein 2006 dem schlechten Beispiel anderer Bundesländer folgend eine rechtswidrige Kormoran-Verordnungen erlassen, die den bestehenden Schutz untergräbt. Damit wird die Tötung ohne Schadensnachweis an Fischbeständen selbst in Schutzgebieten, in manchen Bundesländern auch während der Brutzeit, ermöglicht. Tausende Tiere fallen jährlich dem fachlich und sachlich ungerechtfertigten Treiben zum Opfer. Eine beschämende Bilanz, ist der Kormoran doch vor allem ein Opfer von Vorurteilen.
Kormorane müssen nach dem Tauchen ihre Flügel trocknen
Rückkehr des Verbrämten
Jahrzehntelang war der Kormoran Phalacrocorax carbo aus Deutschland so gut wie verschwunden – das Ergebnis intensiver Verfolgung durch Fischer und Angler. Erst nach konsequentem Schutz durch die EG-Vogelschutzrichtlinie (1979) leben in Deutschland heute wieder rund 24.000 Brutpaare, davon mehr als die Hälfte in großen Kolonien nahe der Küste. Ihre Zahl hat sich in den letzten Jahren stabilisiert. In Schleswig-Holstein brüteten 2008 in 13 Kolonien 2.323 Paare, wobei gerade im Binnenland der Bestand durch Verfolgung und Vergrämung deutlich gesunken ist.
Die Rückkehr des Kormorans ist ein Erfolg für den Vogelschutz, auf den alle stolz sein könnten. Doch Berufsfischer und Angler versuchen, Vertreter von Politik und Behörden von angeblich massiven wirtschaftlichen Schäden und der Bedrohung einzelner Fischarten durch den Vogel zu überzeugen. „Aber Kormorane vernichten weder natürliche Fischbestände noch gefährden sie Fischarten, bestätigt auch durch Gutachten des Umweltministeriums. Statt dessen kommt es darauf an, sich für die ökologische Verbesserung unserer Gewässer einzusetzen – damit alle Fische und Wasservögel Raum zum Leben haben. Alle Fisch fressenden Vogelarten wie der Kormoran sollten als natürlicher Bestandteil unserer Gewässer- Ökosysteme akzeptiert werden", fordert NABU- Landesvorsitzender Schleswig-Holstein. "Es muss Schluss sein mit dem sinnlosen Töten."
Kormorane fressen Fisch - doch der Anteil wirtschaftlich bedeutsamer Arten ist gering.
Opportunisten bei der Nahrung
Die 80 bis 100 Zentimeter großen und zwischen zwei bis drei Kilo schweren Vögel fangen bevorzugt Fische, die sie ohne großen Aufwand erbeuten können – sie sind Nahrungsopportunisten. Darum stehen vor allem häufige und wirtschaftlich unbedeutende „Weißfische“ wie Rotaugen, Karausche und Rotfedern, aber auch Flussbarsche und andere Kleinfische auf ihrem Speiseplan, die in unseren nährstoffreichen Gewässern teils in großen Mengen vorkommen. „Edelfische“ wie Aal oder Hecht machen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge dagegen nur einen geringen Anteil ihrer Nahrung aus.
Kein flächiger Eingriff in den Bestand
Der NABU lehnt eine flächendeckende Regulierung der Kormoranbestände grundsätzlich ab. Einzig an Fischzuchtanlagen können wegen der künstlichen Hälterbedingungen gebietsweise Probleme durch den Kormoran auftreten. Dort können vor Ort jedoch Lösungen gefunden werden, wirtschaftliche Schäden zu verhindern, ohne den natürlichen Bestand der Vogelart erneut zu gefährden. Lokal auftretende Probleme dürfen aber nicht durch einen flächigen Eingriff in den Bestand überall im Land behoben werden. Fischteiche lassen sich durch das Überspannen mit weitmaschigen und gut sichtbaren Drahtnetzen sowie durch optisches und akustisches Vertreiben wirksam schützen.
Junge Kormorane im Nest - blicken Sie in eine düstere Zukunft?
Der NABU möchte im Jahr des Kormorans zeigen, was getan werden kann, um Kormoranen und Fischern eine Zukunft an unseren Gewässern zu sichern. Der Umgang mit dem Kormoran ist dabei ein Prüfstein für einen umsichtigen, von Vorurteilen freien Artenschutz in Deutschland und Europa: Der Kormoran hat - wie Eisvogel, Fischotter, Graureiher, Haubentaucher sowie See- und Fischadler - seine Berechtigung, ungestört als natürlicher Bestandteil unserer Natur bei uns zu leben. Der Abschuss dagegen ist ein Rückfall in das alte, im Zuge wissenschaftlicher Erkenntnisse längst abgelegt geglaubte Nützlichkeits - Schädlichkeitsdenken bei Tieren.
Meistertaucher
Der Kormoran, dessen grüne Augen an Edelsteine erinnern, ist ein Meistertaucher. Bis zu 90 Sekunden lang und 30 Meter tief kann er tauchen. Sein mit Wasser voll gesogenes Gefieder lässt er von Wind und Sonne trocknen – ein einzigartiges Verhalten in der Vogelwelt. Dazu breitet er die Flügel in der charakteristischen Haltung auf einem Ruheplatz aus. Abgesehen von Südamerika ist der Kormoran in allen Erdteilen zu Hause.
Kontakt
Ingo Ludwichowski
Tel. 0160-96230512
Zur Situation in Schleswig-Holstein ...
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Brutbestand des Kormorans
Vielfach wird behauptet, der Bestand des Kormorans zeige in Schleswig-Holstein ein unbegrenztes Wachstum. Doch seit 1995 ist der Gesamtbestand in etwa gleichgeblieben, nach In-Kraft-Treten der Kormoranverordnung 2006 auf Grund verstärkter Verfolgung sogar deutlich zurückgegangen.
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Rechtswidrige Kormoran-Verordnung in Kraft
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