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Raubsäuger: Wichtige Aufgabe in der Natur
Raubsäuger in der Natur
Füchse, Marder und Dachse erfüllen wichtige Aufgaben
Fuchs
Raubwild (die jagdliche Bezeichnung für Raubsäuger und Greifvögel) wird immer noch von manchen Jägern und Teilen der Verwaltung als Konkurrent und Feind des Menschen gesehen. Viele Raubsäuger gehören zur angestammten einheimischen Fauna. Von den Mardern sind das Mauswiesel, Hermelin, Baum- und Steinmarder, Iltis, Fischotter und Dachs. An die Stelle des ehemals auch in Schleswig-Holstein vorkommenden und seit dem Beginn des letzten Jahrhunderts ausgestorbenen Nerzes ist der amerikanische Farmnerz oder Mink getreten, der aus Pelztierzuchten in die Freiheit gelangte. Verwilderte Frettchen, das sind für die Kaninchenjagd domestizierte Iltisse, sind vereinzelt anzutreffen. Von den Hundeartigen lebt bei uns ursprünglich nur der Fuchs. Neu eingewandert und weit verbreitet in Schleswig-Holstein ist der Marderhund, der zwischen den Weltkriegen in der ehemaligen Sowjetunion westlich des Ural in großen Aussetzungsaktionen zur Pelzgewinnung angesiedelt wurde. Auch der Waschbär ist ein Neubürger (Neozoen) aus Amerika. Er wurde in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts in Hessen eingebürgert und lebt inzwischen auch in Schleswig-Holstein. Als häufig gelten Fuchs und Steinmarder sowie Hermelin und Mauswiesel. Sehr selten ist der Fischotter.
Marderhund
Neubürger (Neozoen): unerwünscht?
Die neuen Arten wie Waschbär, Marderhund und Mink gelten als unerwünschte Neubürger und sollen deswegen nach Meinung des Landesjagdverbandes und der Landesregierung Schleswig-Holstein das ganze Jahr über getötet werden. Dass von diesen Arten eine Gefahr für die Natur ausgeht, ist allerdings bisher nicht nachgewiesen.
Raubwild gestaltet mit
Der gestaltende Einfluss von Raubwild auf Größe und Zusammensetzung der Bestände ihrer Beutetiere wird immer noch einseitig negativ bewertet. Sie gelten nur als "Räuber", also als Tiere, die auf Kosten anderer leben und somit einseitig ein negatives Image aufgedrückt bekommen haben. Raubwild hat jedoch auch vielfältige positive Wirkungen in der Dynamik von Lebensgemeinschaften, indem es z. B. hohe Nachwuchsraten bei häufigen Arten abschöpft und so für Ausgleich sorgt. Der Einfluss von "Räubern" (Gesundheitspolizisten) auf Auslesevorgänge in den Beutetierpopulationen, der in der Entwicklungsgeschichte unserer Natur von ganz erheblicher Bedeutung war und ist, findet noch keine Berücksichtigung in der Diskussion. Die Rolle des Raubwildes als "Fitness-Trainer" für andere Tierarten wird nicht gewürdigt. Es sorgt dafür, dass sie ständig wachsam, reaktionsschnell und gesund sind. Wer Schwäche zeigt, wird ausgelesen. Raubwild ist daher ein unverzichtbarer Gestalter im Zusammenleben von Tierarten und zudem kein Feind des Menschen!
Raubsäuger - die besseren Jäger
Einige Raubwildarten entwickeln erstaunliche Fähigkeiten, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Füchse, Steinmarder und Waschbären haben längst neue Lebensräume, z.B. die Städte, besiedelt. Sie erweisen sich als bewundernswerte Lebenskünstler, die auch schon mal in der Mülltonne erfolgreich nach Nahrung suchen.
Die Jägerschaft hat in der Vergangenheit die Möglichkeit gehabt, Raubsäuger scharf zu bejagen, ihre Bestände zu begrenzen und die Ausbreitung zu bremsen. Das ist nicht gelungen. Es wird auch nicht mit einer neuen und sehr rabiaten Jagdzeitenverordnung gelingen, weil Jäger sich vielerorts von der "Räuberbekämpfung" abgewendet haben und manche Raubsäuger sich mit eleganten Überlebensstrategien der Dezimierung entziehen. Wenn die einheimischen Raubsäuger also zum einen wichtige Funktionen in unseren Ökosystemen haben, zum anderen ihre Bestände durch Jagd und Jäger mit vertretbaren Jagdmethoden nicht auf das von mancher Seite gewünschte Minimum zu drücken sind, so gilt es zu hinterfragen, welchen Sinn die verschärfte Bejagungsverordnung haben soll.
Steinmarder
Generelle Bejagung notwendig?
Jäger behaupten immer wieder, dass die Jagd auf Beutegreifer flächendeckend ein unverzichtbares "ökosystemgerechtes" Instrument zur Schaffung eines "ökologischen Gleichgewichtes" in der Natur sei. Außerdem diene sie zur Stützung der "Verlierer" unter den Niederwildarten wie Hase oder Rebhuhn gegenüber den "Gewinnern", also den Raubsäugerarten. Es gibt jedoch viele Beispiele dafür, dass in Gebieten, in denen Raubsäuger nicht bejagt werden, das Gefüge der Lebensgemeinschaften erhalten bleibt. Wie sollte es auch anders sein? Raubtiere sind nun einmal natürliche Mitglieder unserer Lebensgemeinschaften. Sie sind nicht auf der Welt, um "Schäden" in der Natur anzurichten. Der Mensch hat die Bedingungen für das Zusammenleben in diesen Gemeinschaften tiefgreifend gestört.
Die Landesregierung Schleswig-Holsteins rechtfertigte im Juli 2005 verlängerte Jagdzeiten für Raubsäuger und besonders für die Neubürger mit der Gefährdung der biologischen Vielfalt und der Bedrohung einheimischer Arten. Beweise für diese Annahme stehen jedoch aus.
Verstärkte Bejagung nicht gerechtfertigt
Die Diskussion zur Bedeutung von Raubsäugern für Wiesenvögel und für Brutkolonien im Küstenbereich rechtfertigt nicht die Forderung nach verstärkten jagdlichen Eingriffen. Natürlich erbeuten Raubsäuger Gelege und Jungvögel, zumal in kleinräumigen Reservaten mit hohen Brutdichten inmitten ausgeräumter Landschaften. Das mag für die Betreuer von Schutzgebieten schmerzlich sein. Bei genauerer Betrachtung sollte jedoch klar werden, dass tiefgreifende und vielschichtige, vom Menschen verursachte Lebensraumveränderungen und nicht die Raubsäuger die primäre Ursache für Bestandeseinbrüche bei den Vögeln sind. Diese Probleme können eben nicht durch fortwährendes Töten von Raubsäugern beseitigt werden, sondern allein durch Lebensraumgestaltung. An den Beispielen von Birkwild und Kiebitz in Norddeutschland oder der Großtrappe in Brandenburg werden diese Zusammenhänge besonders deutlich. Diese Arten konnten weder durch die Einrichtung von relativ kleinräumigen Schutzgebieten noch durch Jagd auf alle möglichen Beutegreifer in größeren und stabilen Beständen erhalten werden.
Erschossen und liegengelassen - Dachs
Raubwild und Seuchen
Die Wirksamkeit der Raubwildjagd zur Vermeidung von Seuchen wird erheblich überschätzt. Es dürfte wohl schwer fallen, den Nachweis zu erbringen, dass durch die Jagd auf Raubsäuger gesundheitliche Risiken für Mensch, Wild- und Haustier gemindert werden können, z.B. durch Tollwut, Fuchsräude oder Parasitosen (Fuchsbandwurm). Die Tollwut etwa wurde nicht durch das Töten von Füchsen erfolgreich bekämpft, sondern durch die Ausbringung von Impfködern. Die Gefahr, dass Menschen vom Kleinen Fuchsbandwurm befallen werden, ist sehr gering. Nach der Statistik können sich zwei bis sieben von 1.000.000 Personen pro Jahr infizieren. Unter ihnen sind wiederum nur wenige genetisch so ausgestattet, dass sie auch tatsächlich erkranken.
Bei unerträglichen Störungen des Menschen im Siedlungsbereich (z.B. Steinmarder in Häusern) könnte ein "vernünftiger Grund" für das Vertreiben oder Töten vorliegen. Die Tötung von Steinmardern oder Füchsen sollte in solchen Fällen mehr aus psychologischen Gründen für die betroffenen Menschen, die sich gestört fühlen, gestattet werden. Dabei besteht kein Zweifel, dass der Effekt der Jagd in der Regel gering sein wird. Ein leer gefangenes Steinmarder- oder Fuchsrevier wird unverzüglich wieder besetzt werden. Ein Haus kann nicht durch Marderjagd, sondern nur durch perfekte Abdichtung aller Zugangsmöglichkeiten dauerhaft marderfrei gemacht werden.
Waschbär
Jagd nur bei Nutzung vertretbar
Jagd zur maßvollen Nutzung von Fellen ist vertretbar, auch zur Verwendung von einzelnen Lebendfängen oder Präparaten für Bildungszwecke und für wissenschaftliche Untersuchungen. Für den Absatz größerer Mengen von Pelzwerk gibt es jedoch derzeit keinen Markt. Der Eigenbedarf von Jägern dürfte schnell gedeckt sein.
Entgegen den Verlautbarungen des Landesjagdverbandes spielt die Jagd zur Gewinnung von Pelzen in Schleswig-Holstein eine völlig unbedeutende Rolle, wie auch das Umweltministerium verschiedentlich bestätigt hat.

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