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Begegnungen der lästigen Art

Keine Angst vor dem Jacobskreuzkraut

Kein Grund zur Panik

Kein Grund zur Panik

Wohl keine andere heimische Pflanze sorgt seit Monaten für mehr Aufsehen als das Jakobskreuzkraut. Und so wird in kaum einem landwirtschaftlichen Mitteilungsblatt oder Magazin für Reiter und Pferdehalter nicht vor Gefahren für Weidetiere gewarnt und gleichzeitig zu einem breiten Vernichtungsfeldzug aufgerufen. Doch was ist wirklich dran an der viel zitierten Vergiftungsgefahr für Rinder oder Pferde? Nach Recherchen des NABU ist die Berichterstattung in den Medien vielfach stark übertrieben und völlig undifferenziert. mehr Mehr

Zerkarien- / Badedermatitis

Begegnung der lästigen Art in unseren Binnenseen

Einfelder See Landschaft quer

Besonders in stillen Buchten, aber auch an Stellen, in denen das Oberflächenwasser durch den Wind zusammengetrieben wird, kann man mit Zerkarien, den Verursachern der Bade-Dermatitis, in Kontakt kommen.

Penetranter Juckreiz nach erfrischendem Bad
An manch warmem Sommertag macht sich nach einem Badeaufenthalt in einem Gewässer plötzlich ein unerwarteter, starker dauerhafter Juckreiz an den Teilen des Körpers bemerkbar, die dem Wasser ausgesetzt waren.

Zunächst liegt der Verdacht nahe, dass man empfindlich auf die um diese Zeit ebenfalls manchmal recht zahlreich vorhandenen Algen im Gewässer reagiert. Auch "Wasserflöhe" werden gelegentlich als Ursache vermutet.

Doch das mehrere Tage andauernde, starke Jucken hat eine andere Ursache: Zerkarien, die Auslöser der Bade-Dermatitis (auch Zerkarien- bzw. Schistosomatiden-Dermatitis, Hundsblattern oder Weiherhibbel genannt), sind in der Haut des Badegastes eingedrungen und lösen hier eine allergische Reaktion aus. Die Erkrankung wurde in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts erstmals beschrieben und kommt heute weltweit, insbesondere in Nordamerika und Mitteleuropa vor. Auch für Schleswig-Holstein gibt es bereits zeitlich frühe Belege für diese lästige, aber zumeist harmlose Hauterkrankung des Menschen.

Cercarien-Quaddeln

Erscheinungsbild ("Quaddeln") der Haut fünf Tage nach dem Eindringen von Zerkarien.

Was sind Zerkarien?
Zerkarien sind die Larven von zumeist Tiere befallenden Saugwürmern (Trematoden), die irrtümlicherweise in die Haut des als Fehlwirt fungierenden Menschen eindringen und dort stecken bleiben. Sie lösen hier eine allergische Reaktion aus.

Der eigentliche Endwirt des zur Gattung Trichobilharzia gehörenden, die Badedermatitis auslösenden Saugwurms sind Wasservögel. Die Zerkarien dringen bei Enten, Tauchern und Gänsen aktiv in die Haut der Füße ein und gelangen über das Blutgefäßsystem in die Venen des Darmes bzw. in die Blutgefäße der Nasenschleimhaut. Dort entwickeln sie sich zu ausgewachsenen Saugwürmern, deren Eier mit dem Kot bzw. dem Schleim der Nasenschleimhaut des befallenen Tieres ins Wasser abgegeben werden. Aus den so freigesetzten Eiern des Saugwurms schlüpft jeweils eine Larve (das erste freie Larvenstadium: Miracidium), die aktiv eine Süßwasserschnecke aufsucht und in diese eindringt. Die Miracidien bilden in dem Zwischenwirt "Süßwasserschnecke" (zumeist Schlammschnecken) Vermehrungsstadien aus, bis die bei Wassertemperaturen im Sommer ab 20 Grad in großer Zahl dort gebildeten Zercarien (das zweite freie Larvenstadium des Saugwurms) aus der Schnecke ins Wasser ausschwärmen und zur Wasseroberfläche aufschwimmen.

Der Lebenszyklus des Saugwurms schließt sich, indem die an der Wasseroberfläche treibenden Zerkarien, die dort ohne Wirt nur zwei bis drei Tage überleben können, wiederum Wasservögel befallen.

Cercarien2

Zerkarie unter dem Mikroskop.

Der Mensch als Fehlwirt
Zerkarien suchen nach dem Freisetzen aus der Schnecke bei warmer Witterung aktiv die Wasseroberfläche der Gewässer auf. Dort orientieren sie sich optisch und chemisch, um ihren Wirt, in der Regel Wasservögel, zu finden. Dabei können sie versehentlich auch in die menschliche Haut badender Menschen eindringen. Dort gehen sie jedoch kurz nach ihrer Invasion zugrunde und verursachen schließlich eine mit starkem Juckreiz verbundene Hautreaktion ("Quaddeln"), die Badedermatitis. Der Mensch stellt für die Saugwürmer einen "Fehlwirt" dar, in dem sich der Parasit aber nicht weiterentwickeln kann.

Cercarien-Cyclus1

Lebenszyclus der Zerkarien mit Wirt (Enten) und Fehlwirt (Mensch).

Was ist zu tun?
Die Hauptschwärmzeit der Zerkarien beginnt mit der allgemeinen Badesaison im Frühsommer und erreicht im
Spätsommer einen zweiten Höhepunkt. Besonders nach Schönwetterperioden werden gehäuft Fälle von Badedermatitis registriert.

Die Auslöser der Bade-Dermatitis sind in vielen Gewässern Mitteleuropas nachgewiesen. Beim ersten Kontakt mit den Larven des Saugwurms entsteht beim Menschen nur eine geringe Hautreaktion. Erst beim zweiten Mal, wenn das Immunsystem den Eindringling erkennt, kommt es zu einer stärkeren Abwehrreaktion mit den typischen Juck-Beschwerden.

Wer in Seen badet, sollte folgende Regeln beachten, um den Zerkarien aus dem Wege zu gehen:

  • Flache und wasserpflanzenreiche Uferzonen meiden. Hinweisschilder von See-Gemeinden an Badeufern unbedingt beachten.
  • Die mit dem Wasser in Kontakt kommenden Teile des Körpers vor dem Bad mit wasserunlöslicher Creme (Sonnencreme, Vaseline) einreiben.
  • Nach dem Baden sich sofort abtrocknen und abreiben (Badesachen wechseln), um den Zerkarien keine Gelegenheit zum Eindringen in die Haut zu geben.
  • Nicht kratzen, um Sekundärinfektionen der Haut mit Bakterien zu vermeiden.
  • Das Jucken ist nach drei bis fünf Tagen verschwunden. Nach 10 bis 20 Tagen sind die Quaddeln abgeheilt.
  • In der Regel bedarf es keiner ärztlichen Behandlung. Nur bei Kindern und Personen mit starker allergischer Reaktion kann ein Arztbesuch angebracht sein, um die Symptome durch Einnahme von Medikamenten (Antihistaminika) und durch Anwendung von kühlenden und antiseptisch wirkenden Gelen zu lindern.

Enten3

Wasservögel sind Endwirte der Saugwürmer.

Keine Enten füttern!
Um generell die Konzentration von Zerkarien im Wasser zu verringern, sollten im Umfeld von Badestellen keine Enten gefüttert werden: Je mehr Futter, desto mehr Enten, mehr Kot und mehr Zerkarien. Das Nahrungsangebot steuert dabei die Größe der Bestände von Entenvögeln. Fütterungen locken zudem Ratten an, fördern die Übertragung von Krankheiten, und mästen die Tiere, gleichzeitig erhöht sich der Nährstoffeintrag.

Insbesondere an u.a. durch landwirtschaftliche Nutzung eutrophierten, nährstoffreichen Seen treten besonders viele Schnecken und Wasservögel auf. Zur Zeit gibt es keine wirksame, ökologisch vertretbare Bekämpfungsmethode, die gegen Zerkarien und Wasserschnecken als Zwischenwirte eingesetzt werden kann. Wegen der komplexen Zusammenhänge im Ökosystem See könnte theoretisch der Einsatz von natürlichen Räubern und Parasiten helfen. Derartige Vorhaben müssten in jedem Falle kombiniert werden mit entsprechenden wasserbaulichen Maßnahmen und einer Reduktion des Nährstoffeintrages in die Gewässer als eine langfristige, zufriedenstellende Lösung.

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