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Austernfischer-Studie im Meldorfer Speicherkoog

Erste Ergebnisse der Austernfischer-Studie im Meldorfer Speicherkoog

Michael-Otto-Institut im NABU bittet um Meldung von Ringablesungen

Die Brutbestände des Austernfischers im Wattenmeer haben seit Mitte der 1990er Jahre deutlich abgenommen, im schleswig-holsteinischen Teil nach den Daten des Brutvogelmonitorings im Nationalpark um etwa 50 Prozent von 20.000 Paaren 1996 auf rund 10.000 Paare 2006.

beringter austernfischer-gross

Markierter alter Austernfischer


Um die Ursachen dieser Abnahme zu erforschen, hat das Michael-Otto-Institut im NABU in diesem Jahr eine Populationsstudie in der Meldorfer Bucht (Kreis Dithmarschen) begonnen. Erste Ergebnisse wurden auf dem 8. Deutschen See- und Küstenvogelkolloqium vom 26. bis 28. November 2010 in Stralsund vorgestellt.

Die Revierdichte lag bei 0,5 Revierpaaren pro Hektar (ha) auf der Halbinsel Helmsand im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, bei 0,2 Revierpaaren auf dem Außendeich zwischen Helmsand und dem Neuen Meldorfer Hafen sowie 0,1 Revierpaaren auf Flächen im angrenzenden Meldorfer Speicherkoog, welcher vom NABU Schleswig-Holstein betreut wird.

Beringte Austernfischer bitte melden!

Das Michael-Otto-Institut im NABU bittet darum, besonders im Bereich des Meldorfer Speicherkooges auf farbberingte Austernfischer zu achten und alle Beobachtungen unter Angabe der Ringkombination an das Institut zu melden (Tel. 04885-570, dominic.cimiotti[at]NABU.de). Dabei sollte die genaue Position der Ringe an den Beinen, deren Farbe und Inschrift (Buchstaben mit Farbe) notiert werden.

Es wurden insgesamt nur drei flügge Jungvögel bei etwa 60 Revierpaaren ermittelt (0,05 flügge Jungvögel je Revierpaar), welche alle auf Helmsand flügge wurden. Die tägliche Überlebensrate von 140 entdeckten Gelegen lag bei 89 Prozent.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gelege die Lege- und Bebrütungsphase von rund 29 Tagen überlebte, lag bei etwa vier Prozent. Es gab hierbei keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Teilgebieten.

Die Überlebensrate der Küken betrug 16,7 Prozent (3 von 18 Küken). Bekannte Verlustursachen der Gelege waren Prädation (121 Gelege) und Überflutung durch Sturmfluten (zehn Gelege).

Als Prädatoren wurden auf Basis verschiedenartiger Spuren vor allem größere Säuger vermutet. Durch eine Fotofalle wurde die Anwesenheit eines Fuchses auf Helmsand dokumentiert. Die Verlustursache der Küken war bis auf einen Fall (Prädation durch Fuchs) unbekannt. Vier Altvögel wurden zufällig als Verkehrsopfer im Meldorfer Speicherkoog gefunden.

Im ersten Jahr wurden zudem 30 Alt- und drei Jungvögel im Rahmen eines niederländischen Farbberingungsprojektes markiert. Das Projekt soll in den nächsten Jahren zur Bestimmung der Rückkehrraten fortgeführt werden.

Dominic Cimiotti, 15. Dezember 2010

Projekt "Austernfischer"

Naturschutzforschung im NABU-Betreuungsgebiet Meldorfer Speicherkoog

Der NABU hat die starke Brutbestandsabnahme des Austernfischers zum Anlass für ein Forschungsprojekt im Meldorfer Speicherkoog und auf der Halbinsel Helmsand genommen. Bruterfolg und Sterblichkeit der Austernfischer sollen unter die Lupe genommen werden, um konkrete Ansätze für Schutzmaßnahmen zu entwickeln.

Austernfischer1-gross


Der Austernfischer mit seinem schwarz-weißen Gefieder, dem auffälligen Schnabel und seinen lauten Pfeif- und Trillerlauten zählt zu den typischen und beliebtesten Vogelarten in unserem Küstenraum. Er ist eine Tierart, die nicht nur vielen Einheimischen, sondern auch vielen Besuchern der Region am Herzen liegt. Von vielen unbemerkt gehen seine Brut- und Rastbestände bei uns jedoch seit einigen Jahren dramatisch zurück. So wurde im
schleswig-holsteinischen Wattenmeer eine Abnahme von rund sechzehntausend Brutpaaren im Jahr 2001 auf nur noch gut zehntausend Paare 2006 beobachtet. Seitdem gingen die Brutbestände weiter zurück. Die Rastbestände im deutschen Wattenmeer haben sich in den letzten zwanzig Jahren nahezu halbiert. Die Ursachen dieser Abnahme sind im Detail nicht bekannt. Da das Wattenmeer das wichtigste europäische Brutgebiet darstellt, tragen wir jedoch eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Art.

Das NABU-Forschungsprojekt
Das Michael-Otto-Institut im NABU in Bergenhusen möchte den Gründen für die Bestandsabnahme auf den Grund gehen, denn eine Voraussetzung für die Einleitung von Schutzmaßnahmen ist das Verständnis der Rückgangsursachen. Darauf aufbauend können dann konkrete Vorschläge und Maßnahmen entwickelt werden. Die Entwicklung solcher Ansätze ist das letztendliche Ziel des Forschungsprojektes.

Beim Rückgang einer Vogelart können zwei Faktoren eine wichtige Rolle spielen: ein zu geringer Bruterfolg und eine zu hohe Sterblichkeit. Ein zu geringer Bruterfolg hat zum Rückgang zahlreicher Wiesenvögel in Schleswig-Holstein geführt. Andererseits führte Nahrungsmangel in Folge der Überfischung von Muscheln in den Niederlanden in einigen Jahren zu einem Massensterben von Austernfischern. Beide Faktoren, Bruterfolg und
Sterblichkeit, werden daher in unserem Projekt berücksichtigt.

Bei den Untersuchungen wird darauf geachtet, die Tiere so wenig wie möglich zu beeinträchtigen und nicht in besonders sensiblen Bereichen zu stören. Alle nötigen Genehmigungen, durch das Nationalparkamt sowie die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Dithmarschen, wurden selbstverständlich im Vorfeld der Untersuchungen eingeholt.

Austernfischer auf dem Gelege - fotografiert mit der Nestkamera

Austernfischer auf dem Gelege - fotografiert mit der Nestkamera

Unser Untersuchungsbiet: die Meldorfer Bucht
Für die Untersuchungen wurden der vom NABU Schleswig-Holstein betreute Meldorfer Speicherkoog sowie die angrenzende Hallig Helmsand im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ausgewählt. In der Meldorfer Bucht sind verschiedene Habitate auf engem Raum zu finden: beweidete und unbeweidete Salzwiesen im Wattenmeer sowie Weiden und touristisch genutzte Bereiche im Binnenland. Zudem kommen in der Meldorfer Bucht zahlreiche Faktoren zusammen, die als Gefährdungsursachen angesehen werden. Dazu zählen Verluste von Gelegen und Bruten durch Beutegreifer und Sturmfluten sowie immer wieder diskutierte Gefahren durch Straßen und Küstenschutzbauwerke wie Lahnungen und Steinschüttungen, die besonders für die Küken unüberwindbare Hindernisse darstellen können.

Im Zentrum – der „Wattwurm“
Ausgangspunkt für die Untersuchungen in der Meldorfer Bucht ist das NABU- Nationalparkhaus „Wattwurm“ – O. G. Meier-Haus. Über der Nationalpark-Ausstellung im Erdgeschoss wohnt dort der Zivildienstleistende des NABU-Landesverbandes: Er betreut von dort aus den Speicherkoog sowie die Ausstellung im Haus. Für das Sommerhalbjahr wurde in diesem Jahr zusätzlich die Stelle einer Wissenschaftlerin über das Michael- Otto-Institut geschaffen, die mit im „Wattwurm“ angesiedelt ist. Zu den Aufgaben zählen die Untersuchungen an den Austernfischern sowie die Unterstützung bei der Betreuung der Nationalpark-Ausstellung. Sie werden seit April 2010 durch die Biologin Pauline Dierichsweiler wahrgenommen.

Was wird genau untersucht?
Um den Bruterfolg zu ermitteln, wird auf der Hallig Helmsand sowie in Teilbereichen des Meldorfer Speicherkooges systematisch nach
Gelegen von Austernfi schern gesucht. Anschließend werden diese regelmäßig kontrolliert. Ist ein Nest leer, wird an Hand der Spuren untersucht, ob Jungvögel geschlüpft sind oder ob das Gelege geplündert bzw. weggespült wurde. Zusätzlich wurden an mehreren Gelegen automatisch auslösende Nestkameras installiert, mit denen die Nester Tag und Nacht überwacht werden können. Damit lässt sich feststellen, wer die Gelege plündert. Wenn Jungvögel schlüpfen, werden die Familien weiter beobachtet.

Um die Überlebenschancen der Altvögel zu bestimmen, werden einige Altvögel aus unserem Projekt gefangen und mit einem Vogelwartenring sowie mehreren farbigen Ringen markiert. Durch die Kombination von Farben, eingravierten Buchstaben und der Position am Bein kann jeder Austernfischer später auch auf Distanz, ohne ihn zu fangen, individuell wiedererkannt werden. Die Ringe können anschließend mit einem Fernglas oder Spektiv abgelesen werden. In den kommenden Jahren werden wir beobachten, welche Vögel in das Gebiet zurückkehren.

Nachweis mit der Nestkamera - Fuchs am Gelege

Nachweis mit der Nestkamera - Fuchs am Gelege

Kooperation mit Anderen
Das Michael-Otto-Institut im NABU führt die Untersuchungen in Kooperation mit anderen Partnern durch. So erfolgt die Farbberingung im Rahmen eines groß angelegten Forschungsprojektes aus den Niederlanden. Die Daten aus unserem Untersuchungsgebiet können dabei wichtige Informationen zur Situation im Wattenmeer Schleswig-Holsteins liefern. Am Fang der Austernfischer sind Mitarbeiter des FTZ beteiligt, welche nahrungsökologische Studien am Austernfischer durchführen. Das hat den Vorteil, dass jeder Vogel für beide Zwecke nur einmal gefangen werden muss. Die Untersuchungen zum Schlupf- und Bruterfolg auf der Hallig Helmsand finden zusammen mit einer Doktorandin der Universität Hamburg statt. Die Feldarbeiten wurden zudem von vier Studentinnen der Universität Kiel im Rahmen eines Kurses am FTZ in Büsum unterstützt.

Erste Ergebnisse: Hohe Verluste bei Gelegen
In diesem Jahr hat sich der Verlauf der Brutsaison nach dem strengen Winter und ungünstigen Wetterbedingungen im Frühjahr weit in den Sommer hinein verschoben. Unsere vorläufigen Zwischenergebnisse zeigen hohe Verluste bei den Gelegen, die sich aber erst nach Abschluss der Brutsaison genauer beziffern lassen werden. Ursachen sind die Plünderung von Gelegen sowie die Überflutung der niedrig liegenden Bereiche auf der Hallig Helmsand bei mehreren Hochwassern Mitte Juni. Entlang der Straßen im Speicherkoog wurden zwei tote Altvögel als Straßenopfer gefunden. Interessant waren Austernfischerküken, die auf dem Dach einer Informationstafel sowie eines Gebäudes geschlüpft sind.

1. Juni 2010, Domimic Cimiotti

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