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Leben und Wirken der Lina Hähnle
Das Leben und Wirken der Lina Hähnle
Frauenpower in patriarchalischen Strukturen
Wer war die Namensgeberin des Naturzentrums Katinger Watt, Lina Hähnle, und warum dürfen wir stolz darauf sein? Durch ihre ökonomische Denkweise und der hohen emotionalen Intelligenz einer Frau wurde Lina Hähnle (1851 bis 1941) eine der Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts, die die Zerstörung der Natur durch die industrielle Revolution erkannte und ihr Leben dem Widerstand gegen die Naturausbeutung einsetzte. Mit der Gründung des Bundes für Vogelschutz 1899 (heute Naturschutzbund Deutschland NABU) bündelte die damals 48jährige alle noch dezentral arbeitenden, im Naturschutz engagierten Gruppen, zu einer starken Kraft gegen jegliche Art der Umweltzerstörung.
Die Mutter von sechs Kindern verstand es, durch ihre hohe Integrität und ihre Fähigkeit Menschen zu begeistern, den Verband in wenigen Jahren zur größten Naturschutzorganisation Deutschlands zu etablieren. Sie hatte, obwohl es noch kein Wahlrecht für Frauen gab, eine große Präsenz im öffentlichen Bewußtsein.
Mit Hilfe von naturkundlichen Führungen und Vorträgen leistete sie Aufklärungsarbeit. Ihre gute bürgerliche Stellung nutzte sie und hielt strategisch immer Kontakte zur zeitgenössischen Elite. Herzöge, Fürsten, Schriftsteller und Wissenschaftler konnte sie für ihre Arbeit gewinnen. Sie erkannte die starke Urbanisierung, die die Industrialisierung mit sich zog. Durch Filme, die sie mit ihrem Sohn Hermann drehte, Diaserien und die ersten Vogelstimmenschallplatten erreichte sie die Menschen in den Städten und lockte sie damit hinaus in die Natur. Die größte Kampagne, unter dem Vorsitz der Lina Hähnle galt der Änderung des Reichsvogelschutzgesetzes.
Der Kampf gegen das Verarbeiten von Federn des Silberreihers und verschiedener Paradiesvogelarten in der Hutmacherei wurde seitens des BfV durch eine professionelle Lobby-Arbeit unterstützt. Durch ein unermüdliches Bearbeiten der Reichstagsabgeordneten und durch internationale Absprache bzw. Kooperation gelang es Lina Hähne, 1908 eine Verschärfung des Reichsvogelschutzgesetzes und 1914 ein Abschussverbot aller Paradiesvogelarten in Neuguinea durchzusetzen.
Das Hauptaugenmerk galt, wie der Verbandsname besagt, den Vögeln. Doch durch die Sicherung von Landstücken, die interessanten und gefährdeten Vogelarten zum Aufenthalt dienten, wurden und werden ganze Ökosysteme geschützt, die heute noch vom Naturschutzbund Deutschland betreut werden. Ein Beispiel ist das Naturschutzgebiet am Federsee bei Buchau mit einer Größe von 14 km², das Lina Hähnle 1911 mit privatem Kapital erwarb.
Heute ehrt ihr Name Straßen, Waldwege und Häuser, die dem Anliegen der Lina Hähnle gleich tun. Doch die größte Ehre einer solch faszinierenden Frau kann nur ein Weiterführen ihrer Grundidee sein - im Naturschutz sowie in der Frage der Emanzipation dieses Jahrtausends. Sie war keine Alibifrau des Patriarchats, sondern hat mit Gefühl gekämpft und mit Gefühl gewonnen. Im Rahmen der Reihe "Vergessene Frauen" veranstaltete das Frauenwerk im Kirchenkreis Husum/Bredstedt, die Kreisnaturschutzbeauftragte im Kreis Nordfriesland und der NABU im Februar 2000 einen Themenabend zum Lebenswerk Lina Hähnles.
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Die weiblichen Wurzeln des Naturschutzes - Referat von Anna Katharina Wöbse (74 kB)
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