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Feuerquallen in der Ostsee
Feuerquallen in der Ostsee
Meditatives Naturschauspiel mit einer Prise Nervenkitzel
Bedingt durch Wind und Meeresströmungen in der Ostsee sind besonders im Spätsommer Schwärme der Gelbe Haarqualle (Cyanea capillata) zu beobachten. Während vom Steg aus betrachtet die Tiere ein faszinierendes, fast schon meditatives Schauspiel bieten, sind Schwimmer darüber bei Kontakt mit den meterlangen, mit Nesselzellen besetzten Tentakeln weit weniger begeistert. Üblicherweise machen sich solche Begegnungen mit einem Jucken und Brennen bemerkbar, in selteneren Fällen können aber auch allergische Reaktionen oder sogar Herz-Kreislauf Probleme die Folge sein.
Die Gelbe Haarqualle gehört zu den sog. Fahnenquallen und wird umgangssprachlich gerne als die „Feuerqualle“ oder „Löwenmähne“ bezeichnet, alles Namen, die sich auf das Aussehen dieses faszinierenden Tieres beziehen.
Naturwunder Nesselkapsel
Der große, bis zu 50 cm große Schirm dient der Feuerqualle als Schwimmorgan, durch das rhythmische Zusammenziehen des Schirmes bewegt sie sich stoßweise vorwärts. Mit ihren ruhigen und langsamen Schwimmbewegungen sind die Quallen gut von Stegen, Molen oder vom Strand aus zu beobachten, wie sie ihre bis zu 30 Meter langen, kaum sichtbaren Tentakeln hinter sich herziehen. An diesen Tentakeln sitzen eine Unzahl von Nesselkapseln, mit deren Hilfe sie kleine Beutetiere aus dem tierischem Plankton fangen und lähmen. Auf die Reizung feinster Sinneshärchen hin öffnet sich die mikroskopisch kleine Nesselkapsel, ein Faden mit Stachel und Stilett wird mit dem 40.000fachen Wert der Erdbeschleunigung ausgeschleudert, durchbohrt die Haut oder den Panzer des Beutetieres und ein lähmendes Gift tritt aus - die Qualle nesselt. Kommt die menschliche Haut im Wasser in Kontakt mit den langen kaum sichtbaren Nesselfäden, löst das Gift der Nesselkapseln Hautrötungen und Brennen aus. Vielfach reißen die sehr dünnen Nesselfäden der Qualle ab und treiben dann im Wasser umher, können aber durchaus noch nesseln. Das gilt übrigens auch für tote am Strand angespülte Feuerquallen, auch hier sind viele Nesselzellen weiterhin aktiv und können bei Berührung explodieren.
Was tun bei Kontakt mit Feuerquallen?
Wer im Spätsommer in der Ostsee badet, sollte bei einem sichtbaren Massenvorkommen von Feuerquallen auf das Baden verzichten. Falls man aber trotzdem im Wasser mit Feuerquallen in Kontakt kommt, sollte man erstmal Ruhe bewahren. Sofern vorhanden, sollten die betroffenen Bereiche am Besten mit Speiseessig oder Rasierschaum behandelt werden, dadurch werden die noch nicht explodierten Nesselkapseln inaktiviert. Nesselfäden und Tentakeln sollten dann mit einem stumpfen Gegenstand abgeschabt oder mit Sand oder Salzwasser abgewischt werden. Auf keinen Fall mit Süßwasser oder Alkohol abwischen, da dann weitere Nesselkapseln platzen. Nach dem Entfernen der Fäden und Tentakeln kann man eine Brandsalbe oder eine antiallergische Salbe auftragen. Bei Unwohlsein oder allergischen Reaktionen sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Größte Räuber der Meere
Experten führen die zunehmende Massenvermehrungen von Quallen auf Faktoren wie Überfischung der Meere, der Eutrophierung und dem Klimawandel zurück, aber auch das zunehmende Angebot von Hartsubstrat für die Polypengeneration durch künstliche Inseln, Brückenbauwerke oder Fundamente von Offshore-Windkraftanlagen wird diskutiert. Einer Studie aus Japan zufolge fressen Quallen bis zu einem Viertel des gesamten Zooplanktons der Meere. Wenn die Fischbestände durch Überfischung abnehmen, gibt es mehr Plankton, weil weniger Fische davon fressen. Zudem fördern Nährstoffeinträge in die Meere das Wachstum des Phytoplanktons, welches wiederum als Nahrung dem Zooplankton zur Verfügung steht. Das insgesamt höhere Nahrungsangebot lässt aber die Bestände der Quallen weiter anwachsen, die dann aber wiederum auch Fischlarven fressen – ein Teufelskreis.
Regelmäßiger Gast
Die Feuerqualle pflanzt sich nicht in der Ostsee fort, sondern wird von der Nordsee passiv durch Wind und Meeresströmungen aus der Nordsee mit Salzwassereinströmungen über das Kattegat und dem Skagerrak in die Ostsee verdriftet. Quallen pflanzen sich typischerweise über einen Generationswechsel fort und kommen in zwei unterschiedlichen Erscheinungsformen vor. Dabei schnürt sich vom am Boden oder anderem Hartsubstrat festsitzenden Polypen scheibchenweise die freischwimmende Meduse ab (ungeschlechtliche Fortpflanzung), die sich dann zu den bekannten freischwimmenden Medusen, den Quallen entwickeln. Hier kommt es dann zur geschlechtlichen Fortpflanzung, es entsteht eine Larve, die sich schließlich festsetzt und zum nur sehr kleinen Polypen entwickelt. Von diesem Grundschema gibt es eine Vielzahl von Abweichungen.
Kulinarisches Neuland
Quallen gehören zur Gruppe der Nesseltiere und bestehen zu über 98 % aus Wasser, der organische Anteil liegt bei etwa einem Prozent. Umso überraschender, dass in Asien bestimmte Quallenarten als traditionelle Vorspeise gegessen werden. Allerdings haben sie wohl recht wenig Eigengeschmack und sind deshalb in der Küche – je nach Würze – äußerst wandlungsfähig und vielseitig einsetzbar. Allein in Japan werden jährlich rund 7.000 Tonnen Quallen verzehrt, 30 Kilogramm sind für essbare Exemplare durchaus üblich.
Der Großteil der Nesseltiere lebt im Meer, es gibt aber auch Arten, die im Süßwasser vorkommen. Eine sehr seltene, nur bis zu 2 cm große Art gibt es auch bei uns.
CPu 23. September 2011
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